Warum dir Entscheidungen so schwer fallen und was du in so einer Situation tun kannst – Interview mit Maren Häde

Du kennst das vielleicht: Du hast da diese Idee im Kopf, die dich an sich total begeistert. Und dann kommen all die Gedanken dazu: Ist das wirklich eine gute Idee? Macht das Sinn? Was, wenn es nichts wird? Wenn ich das nicht schaffe?

Und du bist quasi zwischen soll ich und soll ich nicht gefangen.

Mein heutiger Gast, Maren Häde, ist Diplom-Psychologin und arbeitet mit empathischen, einfühlsamen Menschen, die viel denken, viel fühlen und sich dabei manchmal selbst im Weg stehen. Mit ihrem Comfortzone Coaching begleitet sie sie dabei, Selbstzweifel sanft zu lösen, wieder klarer zu werden und Entscheidungen zu treffen, die sich wirklich richtig anfühlen. Und zwar nicht, indem sie Ihre Komfortzone verlassen. Sondern indem sie den Weg zurück zu sich selbst finden.

Ich schätze Maren und ihre Arbeit sehr. Und ich freue mich riesig, dass sie heute hier ist und mit mir über Stress und Druck und unser Nervensystem spricht, und wie wir es schaffen können, bei dem Stimmengewirr im Inneren gute Entscheidungen zu treffen.

Maren Häde Psychologin - Foto: Mette Vasterling

Maren Häde, Psychologin | Foto: Mette Vasterling

Hier kannst du dir das Interview anhören:

Hier findest du das Transkript der Folge:

Das Transkript ist für eine leichtere Lesbarkeit in Abschnitte mit Zwischenüberschriften geglieder, die sich an den einzelnen Fragen orientieren, die ich Maren im Inteview gestellt habe. Außerdem findest du im Text noch ein paar weiterführende Ressourcen, falls du noch tiefer in das Thema einsteigen möchtest


Was ist Stress eigentlich?

Katharina:

Du hast vor einer Weile, es ist auch glaube ich schon ein paar Jahre her, einen Gastartikel für meine Website geschrieben, von dem mir ein Satz einfach nicht mehr aus dem Kopf geht und den habe ich seitdem auch oft zitiert. Vielleicht kennen die ein oder anderen Hörer*innen das heute schon: Der Satz „Stress killt alles, was wir für nachhaltiges Lernen brauchen" kommt ursprünglich von dir. Kannst du erstmal kurz erklären, was du mit Stress meinst? Also was ist das eigentlich aus psychologischer Sicht?


Maren:

Genau, also der Satz trifft zu, wenn der Stress sozusagen zu viel wird. Aber Stress ist erstmal eigentlich eine Reaktion unseres Körpers, der sich bereit macht, um potenzielle Schwierigkeiten zu überwinden oder Gefahren. Und ganz grundlegend könnte man sagen, dass Stress im Körper eigentlich erstmal nur bedeutet, dass wir aufmerksam werden und handlungsfähig. Und natürlich brauchen wir das auch zum Lernen.

Und es gibt in der Psychologie diese Beobachtung, dass es sowas gibt wie eine Idealzone. Das heißt, wenn wir kurz vorm Einschlafen sind, dann werden wir wahrscheinlich nicht so gut darin sein, Probleme zu lösen oder eine Prüfung zu schreiben. Und das ist ja auch erstmal total gut und gesund, dass unser Körper uns da sagt: Okay, das ist wichtig. Da geht's jetzt um was. Sei bloß wach, sei aufmerksam, gib dir Mühe – und dafür dann auch die Energie zur Verfügung stellt.

Und es gibt so die Beobachtung, dass man sogar für eher eintönige Sachen ein bisschen mehr Aktivierung braucht, um überhaupt am Ball zu bleiben. Aber bei komplexeren Aufgaben dann eher mehr Ruhe. Ist ja auch irgendwie naheliegend.

Aber bei allen Aufgaben gibt es irgendwann den Punkt, wo es kippt und wo dann zu viel Druck, zu viel Erregung, zu viel innerer Aufregung dazu führt, dass wir aus dem konzentrierten Arbeiten kippen in so einen Überlebensmodus sozusagen. Und dann schalten im Gehirn einige Dinge um und wir rufen nur noch das ab, was wir sowieso schon kennen, verlassen uns auf das, was in der Evolution schon lange, lange funktioniert hat. Und dann können wir oft nichts Neues dazulernen, nichts Neues abspeichern, sondern spulen nur noch das ab, was unser Körper gelernt hat, was zum Überleben wichtig ist.

Und das ist oft in solchen Situationen, die wir heutzutage haben, nicht so hilfreich, nämlich wegrennen, kämpfen oder totstellen. Und damit lösen wir zum Beispiel keine gute Prüfungssituation. Und deshalb ist es oft eben nicht so hilfreich, wenn man zu viel Druck hat, sich zu viel Sorgen macht, sich auch zu oft sagt: Okay, das ist jetzt wichtig, da geht's jetzt richtig um was. Weil wir dann in diesen Überlebensmodus kippen, wo wir uns nicht mehr gut konzentrieren können, wo wir nicht mehr gut vernetzt denken können und wo wir eigentlich nur noch weg wollen. Und in der typischen Prüfungssituation zum Beispiel wäre das dann das Blackout. Oder in der Fahrschulprüfung plötzlich rechts und links zu verwechseln, weil das evolutionär einfach nie so ganz wichtig war – aber an der Ampel halt schon.



Ab wann wird Stress kritisch – und was macht er mit uns?

Katharina:

Ja, definitiv. Ich finde das total spannend, was du sagst, dass quasi Stress an sich nichts Schlechtes ist. Und das war für mich, als ich das das erste Mal gehört habe, auch so eine riesengroße Erkenntnis, weil wir hören ja immer: der böse Stress ist nicht gut für uns. Ab wo wird's denn kritisch, und was passiert dann konkret, wenn wir in dieses Zu-viel-Stress kommen? Also was macht das mit uns, sowohl körperlich als auch innerlich mit unserem Denken? Das hast du jetzt schon ein bisschen angerissen, aber vielleicht können wir da noch ein bisschen tiefer reingehen.


Maren:

Genau, also körperlich spüren wir erstmal eine gewisse Aktivierung. Und ich merke das jetzt zum Beispiel auch, wenn ich mit dir hier sitze – das ist jetzt für mich keine ganz alltägliche Situation. Und ich denke mal, auch bei so einem Podcast, da muss ich jetzt irgendwie was besonders Kluges sagen und die hören alle zu. Und dann spüre ich schon, wie mein Herz ein bisschen schneller klopft, ich ein bisschen schwitze, manchmal merke ich, mein Mund wird trocken. Wenn ich das fest denke, denke ich: Das ist schlecht für den Podcast. Und manchmal spüren wir dann auch den Drang, uns zu bewegen, und wir merken, wir können nicht mehr so gut still sitzen.

Und wenn das alles in einem gewissen Niveau bleibt, dann können wir das entweder als Stress interpretieren. Aber je nach Kontext haben wir dann auch verschiedene Interpretationsmöglichkeiten. Zum Beispiel gibt es auch so eine ganz interessante Studie, wo man Männern gesagt hat, wir machen eine Studie, wie sich die Natur auf die Kreativität auswirkt – aber eigentlich hat man was anderes untersucht. Dann hat man die irgendwie in der Nähe von Vancouver in Kanada über einen wunderschönen Canyon laufen lassen. Die einen sind über so eine recht breite Betonbrücke gelaufen und die anderen über so eine wackelige Hängebrücke. Und in der Mitte stand dann immer so eine Versuchsperson, die so einen Kreativitätstest mit denen besprochen hat. In einem Durchgang war das ein Mann und im anderen eine attraktive Frau. Und dann hat man geguckt – die hat dann auch gesagt: Ja, wenn sie noch Fragen haben, hier ist meine Nummer –, was dann später passiert.

Interessanterweise: Bei den Männern, die unten über diese sichere Brücke gelaufen sind, haben die alle ihre Tests abgegeben, haben tschüss gesagt und von denen hat sich so gut wie keiner mehr gemeldet. Bei den Hängebrücken-Leuten hat sich auch keiner mehr gemeldet, wenn der Mann die Fragen gestellt hat. Aber bei der attraktiven Frau auf der Hängebrücke haben viele Männer dann hinterher angerufen und versucht, diese Frau zu einem Date zu überreden, weil sie der Meinung waren, sie wären ganz verliebt.

Also dieses Herzklopfen, was dann der Stress ausgelöst hat, und das Schwitzen und dieses Kribbeln im Bauch – was höchstwahrscheinlich einfach Höhenangst war –, hat dann aber im Kontext deren Gehirn gesagt: Nein, nein, das war der Kick von dieser attraktiven Frau. Und deshalb ist es eben auch sehr wichtig: Was ist eigentlich der Kontext? Hilft der mir, meinen Stress irgendwie anders einzuordnen, meine Körperreaktionen? Oder kann ich das sozusagen korrekt einordnen oder finde ich da eine logische Erklärung?

Aber irgendwann kommen wir trotzdem an den Punkt, wo wir merken: Okay, jetzt verändert sich hier was. Jetzt kann ich damit nicht mehr so gelassen und cool umgehen. Und da gibt es sozusagen so drei Zündungsstufen, durch die wir durchgehen können.

Das Erste ist, dass wir merken, wir werden körperlich unruhig. Also es kennt wahrscheinlich jeder: Irgendwas Wichtiges, Aufregendes steht an und vielleicht kann ich das sogar noch als Vorfreude interpretieren. Oder ich merke schon, es stresst mich, aber mein Körper reagiert eigentlich total gleich. Ich werde hibbelig. Ich kann nicht mehr gut ruhig sitzen. Ich kann mich nicht konzentrieren. Ich weiß, der Termin ist eigentlich erst in zwei Stunden, aber ich flitze jetzt schon die ganze Zeit rum und stelle sicher, dass ich mein Portemonnaie nicht vergesse oder alles Wichtige aufgebaut habe oder so.

Und wenn ich dann aber merke, dieses Machen und Tun – entweder körperlich oder auch im Geiste, manchmal ist es dann auch so, dass man vielleicht gar nicht viel machen kann, aber immer wenn man sich hinsetzt und denkt, jetzt ruhe ich mich einfach noch mal aus, fällt dann immer wieder was ein und man springt sofort wieder auf –, das kommt eigentlich daher, weil unser Nervensystem gerade zu viel Energie zur Verfügung stellt. Und wenn wir unser Problem damit jetzt nicht angehen können, kommen wir manchmal in die zweite Stufe, wo wir merken: Jetzt fange ich aber langsam an, gereizt zu werden.

Also wenn ich zum Beispiel merke, ich kann jetzt bestimmte Entscheidungen nicht treffen, weil ich überhaupt keine Rückmeldung bekomme – irgendwann fängt es an, mich zu nerven. Und das bringt uns in das, was viele bestimmt auch schon oft gehört haben: in dieser Skala von Kampf oder Flucht erst in den Fluchtmodus und dann in den Kampfmodus. Da werde ich gereizt, genervt, vielleicht frage ich mich, ob ich eigentlich nur von Idioten umgeben bin oder warum die ihre Sachen nicht auf die Reihe kriegen. Und man merkt, innerlich ändert sich was.

Das heißt, mein körperliches Erregungsniveau – so nennen wir das Psychologen-Deutsch – führt dann dazu, dass ich die Dinge auch anders bewerte, mir andere Gedanken dazu mache und dann zum Beispiel neutrale Gesichter eher als kritisch einordne. Man denkt dann eher: Der hat jetzt was gegen mich, oder: Er grinst jetzt schon wieder so frech. Das kennen vielleicht auch Eltern, dass sie, wenn sie sich eh gerade über ihr Kind ärgern oder eh gerade einen stressigen Tag haben, eher denken: Boah, der macht das jetzt mit Absicht, oder: Der ist jetzt irgendwie frech. Weil wir in dem Moment Gesichter nicht mehr so gut neutral interpretieren können.

Und wenn der Stress dann noch weiter steigt, dann kippt es irgendwann und fühlt sich innerlich fast an wie gleichzeitig Vollgas und Vollbremsung. Und wir merken, unsere Energie ist auf einmal so wie weg, wird runtergefahren. Und dann kommt so der Punkt, wo man denkt: Ach, es hat doch alles keinen Sinn. Ich mache jetzt gar nichts mehr. Man hat das Gefühl, dass man irgendwie aufgeben muss, dass es sowieso nichts mehr wird.

Und damit verbunden ist auch, dass körperlich die ganze Energie so ins Innere zurückgefahren wird. Man fühlt sich ganz schwer, oft auch irgendwie kalt, sozial isoliert. Man hat das Gefühl, man steht irgendwie alleine da. Und das ist dann so fast wie evolutionär dieser Totstell-Modus. Also meinem Wolf gegenüber macht das Sinn: Wenn ich nicht wegrennen kann und gegen ihn nicht kämpfen kann, dann stelle ich mich am besten tot. Und leider macht unser System das immer noch, obwohl wir heutzutage oft in Situationen sind, wo wir eben nicht körperlich es mit wilden Tieren zu tun haben, sondern eher mit wilden Gedanken oder Szenarien, die wir uns vor allem in unserem Kopf machen.



Warum kosten Entscheidungen so viel Energie?

Katharina:

Das ist ein interessanter Punkt, den du ansprichst. Ich finde das super spannend, wie diese Phasen dann so aufeinander aufbauen. Und das, was du gerade ansprichst, dass das quasi auch aus unserem Kopf kommt, dass das ja auch noch nicht mal irgendwo von außen kommen muss – ich glaube, das kennen wir auch alle nur zu gut, dass sich das dann auch so im Inneren nach und nach aufbauen kann.

Ich lese ja schon seit einer ganzen Weile deinen Newsletter und eine meiner Lieblings-Mails fließt da auch so ein Stück weit dran an. Da hast du im Betreff geschrieben: Warum Entscheidungen so viel Energie kosten. Und da kenne ich das ja auch – gerade wenn so eine Entscheidung ansteht, das wird ja hin und her gewälzt und fühlt sich manchmal nach ganz schön viel an. Und ich merke das immer auch bei meinen Kund:innen, oder besser gesagt bei Interessent:innen. Da ist diese Entscheidung, zum Beispiel: Soll ich jetzt einen Online-Kurs erstellen oder vielleicht doch nicht? Das kostet enorm viel Kraft, weil da ist dann oft so ein erster Impuls, so ein erstes Gefühl von: Das würde doch eigentlich super passen und das ist doch eigentlich eine tolle Idee, lass uns am besten sofort starten. Und dann beginnt aber oft dieses innere Tauziehen, dieses Hin und Her. Dieses: Ist das eine gute Idee, ist das eine schlechte Idee? Kam das vielleicht aus irgendeinem Impuls raus? Oder bin ich überhaupt gut genug, um einen Onlinekurs anzubieten? Was passiert da in unserem Inneren, wenn wir uns da selber quasi so hochschaukeln?


Maren:

Genau, also da passiert in unserem Inneren ganz schön viel. Und schon allein so eine simple Frage wie zum Beispiel: Was möchte ich heute zu Mittag essen? Lieber einen Salat oder lieber eine Pizza? Kann in unserem Gehirn ganz viele unterschiedliche Regionen aktivieren.

Die meisten kennen wahrscheinlich oder haben schon mal gehört vom präfrontalen Kortex, der ist so unser Logikzentrum, der wägt dann vielleicht Pro und Kontra ab, also was ist nährstoffreicher oder was ist gesünder, was besser für mich insgesamt. Dann gibt's die Amygdala, die dann verschiedene Risiken abwägt – und die sind natürlich, wenn es ums Business geht, noch viel erheblicher als jetzt ums Mittagessen. Dann gibt's die Basalganglien, die abwägen: Okay, wie hat sich das früher angefühlt? Welche vorherigen Erfahrungen habe ich denn damit und war das jetzt eher angenehm für mich oder eher unangenehm? Dann gibt's noch einen Teil in diesem ganzen System, das sich das limbische System nennt, der sozusagen dazwischen vermittelt – das ist das anteriore Cingulum, um also ein bisschen kluge Worte einfließen zu lassen. Und dann gibt's auch noch hier seitlich über der Schläfe einen Teil, das ist der posteriore Parietalkortex. Muss man sich jetzt überhaupt nicht merken, aber der wägt die ganzen Optionen strategisch ab und prüft die Motivation für jede Option. Und dann schickt er Handlungsempfehlungen an die entsprechenden Stellen, die das dann umsetzen sollen.


Zum Weiterlesen:

"Die Neurowissenschaft des Entscheidens – Diskussion in der Küche" –  ein unterhaltsamer Einstieg in das, was in unserem Gehirn passiert, wenn wir uns entscheiden müssen – mit vielen verlinkten Studien am Ende


Maren:

Also ist es überhaupt nicht übertrieben zu sagen, dass da schon im Gehirn ein ganzes Team aktiv wird, das ganz verschiedene Ziele erfüllt. Das ist wie so eine innere Schaltzentrale, die da irgendwie guckt: Okay, welche Daten haben wir und was machen wir jetzt daraus und was ist jetzt hier die Priorität? Und das kostet natürlich auch einfach eine ganze Menge Energie – und Energie im Gehirn ist Glucose. Und das fühlt sich dann einfach irgendwann anstrengend und ermüdend an. Und das ist erstmal total normal.

Und zusätzlich zu all den Prozessen haben wir dann noch so eine Art Energiemanager, der dann auch noch guckt: Okay, wenn jetzt hier zu viel Energie verbraucht wird und wir so müde werden, dann schiebe ich da vielleicht mal einen Riegel vor. Und dann haben wir vielleicht auch gar nicht mehr so viel Lust, uns mit diesen schweren Entscheidungen nochmal auseinanderzusetzen.

Es ist also so, als ob ein ganzes inneres Team da hitzig diskutiert über solche großen Entscheidungen. Und das kennen wir wahrscheinlich auch, weil wir dann irgendwie sagen: Okay, ich habe so verschiedene innere Stimmen. Mein Kopf sagt dies, mein Bauch sagt das. Und das ist oft auch das Ausgangsproblem, mit dem dann viele Menschen zu mir ins Coaching kommen, die sagen: Ich weiß eigentlich, dass ich was Bestimmtes machen will, zum Beispiel so einen Onlinekurs. Oder andere, zum Beispiel, dass ich mal eine klare Ansage machen möchte, statt immer so nett zu sein, wenn die Kundin schon zum achten Mal die Deadline verschiebt und das wieder meinen ganzen Monatsplan durcheinanderbringt. Aber anstatt, dass ich das dann mache, denke ich nachts immer darüber nach und kann nicht schlafen, und am Tag mache ich dann irgendwie doch nichts, und ich weiß nicht, warum.

Oder: Ich weiß eigentlich, dass ich gar nicht so an mir zweifeln müsste, weil es in der Vergangenheit immer gut geklappt hat. Und trotzdem habe ich jetzt wieder so ein blödes Gefühl, was mich zurückhält. Und das kann manchmal daran liegen, dass eben diese inneren Teammitglieder nicht ganz unvoreingenommen Entscheidungen treffen, sondern ja auch schon im Laufe unseres Lebens viel gelernt haben und vielleicht auch mal die ein oder andere schmerzhafte Erfahrung eingesteckt haben. Und sie dann einfach wichtiger finden, mich in Zukunft vor erneuten Schmerzen zu beschützen oder vor vielleicht nur befürchteten Szenarien.


Zum Beispiel: Jetzt mache ich so einen Onlinekurs und dann stecke ich da super viel Zeit rein und dann will das am Ende keiner haben. Oder noch schlimmer: Ich mache dann Fehler und dann sieht das jemand und dann stehe ich total dumm da und blamiere mich irgendwie vor allen. Und das kann dazu führen, dass ich dann innerlich total ausgebremst werde, obwohl ich rational eigentlich weiß: Das ist eine total gute Idee und ich möchte das gerne ausprobieren.

Und als Selbstständige muss man ja ständig solche Entscheidungen treffen, wo man nie so ganz genau weiß, wo es ausgeht. Und dann ist eigentlich entscheidend, wie ich mit diesem inneren Konflikt umgehe, damit er mich nicht immer wieder in diese Lähmung treibt, die mich unheimlich viel Energie kostet, aber dann am Ende nicht aufgelöst wird. Sondern da ist es dann ganz wichtig: Wie gehe ich innerlich mit mir um und mit diesem inneren Team, damit ich diese ganze Energie nutzen kann, um mehr Klarheit zu bekommen und wirklich dann auch vorwärts gehen zu können – mit einem Team, das mich optimalerweise unterstützt, statt mich auszubremsen?


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Wie komme ich aus dem Stress und dem inneren Konflikt wieder raus?

Katharina:

Ich finde das total faszinierend, dir jetzt dabei zuzuhören. Weil wenn da so viele verschiedene Prozesse sind, die einfach in unterschiedliche Richtungen ziehen, bin ich gerade echt ein Stück weit erstaunt, wie wir es überhaupt schaffen, da noch irgendwie Entscheidungen zu treffen und nicht den ganzen Tag einfach so gelähmt dazustehen und zwischen all diesem uns hin und her schubsen zu lassen. Also irgendeine Strategie muss ja unser Inneres haben, da dann trotzdem zu einem Entschluss zu kommen. Wie komme ich denn dann da wieder raus? Also zum einen so aus diesem sich immer mehr aufbauenden Stress, der dadurch entsteht, und gleichzeitig auch aus diesem inneren Konflikt, der uns da ja umtreibt.


Maren:

Genau, das ist die entscheidende Frage: Wie komme ich jetzt da wieder raus? Und das Gehirn hat dafür sozusagen zwei Routen.

Die erste Route hilft uns, damit wir, wie du das eben gesagt hast, im Alltag nicht vollkommen überfordert sind, indem einfach möglichst viel automatisiert wird. Das kennt man wahrscheinlich: Wenn man gerade in der Fahrschule ist und irgendwie rückwärts einparken soll, dann macht man auf jeden Fall erst mal das Radio aus, damit möglichst nichts ablenkt, weil das Gehirn gerade so viel Energie für diesen Konzentrationsprozess braucht. Und irgendwann habe ich das ein paar Mal gemacht und dann kann ich das sogar machen, wenn die Kinder gerade hinten plärren und das Radio laut ist. Oder ich fahre vielleicht sogar die ganze Strecke bis zur Arbeit, komme an und merke: Ups, ich habe nicht aufgepasst, ich wollte eigentlich zum Supermarkt. Weil es schon komplett automatisiert ist. Aber das hilft uns natürlich nicht in der Situation, wo wir was Neues ausprobieren wollen, wo wir noch keine Routine haben, auf die wir uns so verlassen können.

Und da ist es dann wichtig, dass ich erst mal gucke: Wo stehe ich denn jetzt? Wo steht mein Stresspegel gerade? Und das habe ich ja eben beschrieben: Flucht, Kampf oder Totstell-Effekt. Und dann gibt es noch so die Idealzone, wo ich merke: Okay, da bin ich ruhig, da bin ich konzentriert, da kann ich Herausforderungen vielleicht auch eher spielerisch oder neugierig angehen. Da kann ich sagen: Ich versuche das jetzt erstmal, und wenn es nicht klappt, ist auch nicht schlimm.

Und das kann man sich vorstellen wie so eine Ampel. Der letzte Zustand, dieser Idealzustand, ist so grün. Wenn dann der Stress steigt, ich so in eher Fluchtgedanken komme – Oh Gott, wie kann ich das jetzt wieder absagen? Oder: Was nervt mich hier nur noch? –, dann ist es so gelb. Und rot ist dann so, wenn gar nichts mehr geht. Und da kann ich für mich erstmal innerlich so eine kurze Bestandsaufnahme machen und dann vielleicht auch gucken: Wie kann ich jetzt gerade meinen Stresspegel so ein bisschen senken, damit ich wieder in die grüne Zone komme, wo ich alles ein bisschen lockerer angehen kann und wo ich mich besser konzentrieren kann und mehr Energie für diese ganzen Entscheidungsprozesse überhaupt habe? Das ist erstmal der erste Punkt.


Und die zweite Methode, um dann mit dem inneren Team sozusagen gut zu arbeiten, mit all diesen verschiedenen Abwägungen, die im Kopf passieren, da gibt es eine Methode, die mich als Psychologin und auch als Mensch einfach total überzeugt hat. Und das nennt sich IFS. Das steht für Internal Family Systems, also das System der inneren Familie. Und ich finde es fast noch passender, als zu sagen das innere Team, weil unsere inneren Teammitglieder wie in einer Familie oft auch unterschiedlich alt sind.

Das heißt, die Überzeugungen – das macht Sinn, oder das ist gefährlich, oder das fühlt sich gut an oder das nicht – sind nicht immer ganz aktuell, sondern manche davon sind schon in früher Kindheit entstanden und argumentieren heute immer noch wie ein Dreijähriger, der sagt: Ich will aber nicht. Oder: Nein, ich will einfach nur bei Mama sein. Und wenn wir uns das so vorstellen, dann können wir da auch viel leichter drauf eingehen oder auch viel angemessener. Weil ein Kind würde auch nicht darauf reagieren, wenn ich ihm dann fünf gute Gründe nenne – das ist dann als Eltern oft sehr frustrierend –, sondern braucht dann vielleicht erstmal Zuspruch, Trost, Sicherheit.


Zum Weiterlesen:  Internal Family Systems: Innere Klarheit für sensible Selbstständige


Maren:

Und IFS, also dieses Modell der inneren Familie, hilft einfach dabei, Klarheit in dieses ganze Chaos zu bringen und unsere inneren Stimmen dazu zu bringen, dass sie nicht mehr gegenseitig am Tau ziehen, sondern am gleichen Strang. Und damit stärken wir quasi unsere innere Selbstführung. Das heißt, wir fangen an, diese innere Familie nicht nur anzuschauen, zu betrachten, sondern auch zu gucken: Wie können wir die so führen, dass die einen guten gemeinsamen Weg finden?

Also kurz gesagt: IFS hilft uns dabei, mit diesen inneren Stimmen gut umzugehen und auch mit uns selbst gut umzugehen. Und dafür gibt es in diesem Modell was ganz, ganz Besonderes, was ich in anderen psychologischen Methoden so nicht gefunden habe. Und das ist diese Ebene in uns, die eigentlich hinter all diesen ganzen Stimmen schon eine erstaunliche Ruhe und Klarheit und irgendwie auch so eine Liebe für diese ganzen Teammitglieder oder Familienmitglieder hat und die dadurch auch sehr mitfühlend sein kann. Und im IFS nennen wir das das Tiefere Selbst.

Man merkt schon, das hat ein bisschen eine andere Qualität, als wenn ich sage so mein innerer Chef oder mein erwachsenes Ich. Das klingt dann oft so sehr rational. Aber das Tiefere Selbst ist eigentlich der Teil in mir, der so eine Ruhe hat, aber auch so ein offenes Herz für all diese inneren Stimmen, und der auch irgendwie sieht: Okay, auf ihre Art und Weise wollen die mir alle helfen. Die sind gar nicht gegen mich, die wollen mich nicht blockieren.

Und das macht was mit der ganzen inneren Atmosphäre und nimmt automatisch schon so ein bisschen Druck raus. Und weil es oft so ein bisschen abstrakt klingt und man sich das vielleicht nicht so gut vorstellen kann, benutze ich da gerne so das Bild von einem inneren Großraumbüro. Da sind jetzt all diese verschiedenen Anteile, die versuchen, einen guten Schlachtplan zu entwickeln. Und vielleicht sind manche dabei, die irgendwie ein bisschen wie im Büro von Stromberg eigentlich schon lange keinen Bock mehr haben und am Ende gar nichts machen würden oder auf ihre Art und Weise das Ganze so ein bisschen blockieren. Und die arbeiten da jetzt erstmal alle so zusammen. Und jetzt wird einer von denen ins Büro vom Chef zitiert und alle halten die Luft an und gucken: Was passiert jetzt mit dem? Und was passiert vor allem, wenn der jetzt gleich wieder rauskommt?

Und dann so nach ein paar Minuten kommt er wieder raus. Wenn jetzt Szenario eins ist, der kommt raus mit hängenden Schultern und sagt: Oh Scheiße, ich bin gefeuert – dann wird das was machen mit der ganzen Atmosphäre in diesem Großraumbüro. Und man kann sich glaube ich ziemlich gut vorstellen, was dann in dem Moment passiert, auch bei allen anderen, die das mitkriegen.

Und wenn die Person aber jetzt ins Büro reingeht, dann wird da geredet und geredet und geredet, vielleicht so nach 20 Minuten oder einer halben Stunde kommt er raus und die denken: Hallo Gott, was ist jetzt, was ist los? Und er kommt raus und sagt: Boah, das war so ein gutes Gespräch. Ich konnte jetzt echt mal sagen, was mir alles wichtig ist. Ich habe auch echt mal gesagt, was mich stört, und die Chefin hat mir voll zugehört und die konnte das total gut verstehen. Und wir haben jetzt drüber gesprochen, wie das besser werden kann. Ich habe echt das Gefühl, die macht das auch. Die hat mich echt ernst genommen. Und setzt sich wieder hin und wird jetzt wahrscheinlich viel motivierter an seiner Aufgabe sein. Und dann kann man sich auch vorstellen: Wenn jetzt der nächste ins Büro zitiert wird, geht der mit einem ganz anderen Gefühl da rein als beim ersten Szenario.

Und so ist diese Art und Weise, wie ich mit einem Anteil von mir selber umgehe, ganz entscheidend auch für die gesamte innere Atmosphäre – also dafür, wie hoch mein Stresslevel insgesamt ist. Und manchmal liest man so online irgendwie Ratschläge wie: Sag dem inneren Kritiker einfach, er soll die Klappe halten und sich ganz hinten in den Bus setzen, der hat jetzt nichts mehr zu melden. Aber es macht was mit allen in dem metaphorischen Bus oder in dem Großraumbüro, wenn ich zu einem einfach sage: Halt die Klappe, du hast hier nichts zu melden.

Und IFS hilft uns dabei, meiner inneren Chefin sozusagen ein paar konkrete Fragen an die Hand zu geben, mit denen ich ein richtig, richtig gutes Mitarbeitergespräch führen kann, bei dem sich die Mitarbeiter hinterher gut fühlen und wieder besser zusammenarbeiten. Und das ist eigentlich die Art und Weise, wie ich mit schwierigen Entscheidungen dann lernen kann, besser umzugehen, indem ich anfange, mein inneres Team so zu führen, dass alle sich wohler fühlen.

Und das ist am Anfang erstmal ein bisschen ungewohnt und braucht vielleicht auch mal so eine Stunde oder anderthalb Stunden, wo man sich damit gezielt hinsetzt. Aber dadurch werden diese ganzen inneren Widerstände, die vorher auch so viel Kraft gekostet haben, gelöst. Und deshalb nennt man das auch ein Constraint-Release-Modell. Das heißt, die inneren Widerstände werden nicht bekämpft – man sagt nicht einfach: Ist mir egal, was ihr alle wollt, ich mache das jetzt, macht mit oder nicht. Sondern ich führe diese anstrengenden Mitarbeitergespräche. Dann überlege ich mir aus meinem mitfühlenden Selbst heraus, was ist jetzt ein guter Weg für alle vorwärts? Frage die noch mal, ob die da mitgehen können. Und dann wird die ganze Energie, die da vorher so gebündelt war, oder auch nicht verfügbar war, weil sie in dem Widerstand steckt, plötzlich frei für kreative Ideen, für ein gutes Gefühl, für mehr Spaß auch an der Sache.

Und deshalb ist es so entscheidend, auch wie ich mit mir selbst umgehe. Und gerade für sensible Menschen ist das oft was, wo die innerlich dann spüren: Ja, ah ja, das fühlt sich allein diese Vorstellung, das so zu machen, fühlt sich viel besser an als einfach zu sagen: Augen zu und durch.


Selbstzweifel oder Bauchgefühl – wie erkenne ich den Unterschied?

Katharina:

Das merke ich sogar schon beim Zuhören. Und ich finde das immer wieder ein total schönes Bild zu sagen: Anstatt jetzt einfach den Hammer auf den Tisch zu hauen und quasi noch mehr Druck in dem System zu erzeugen, von wegen du hältst die Klappe und du hältst die Klappe und von dir will ich sowieso gar nichts mehr hören – einfach sich mal hinzusetzen und den allen zuzuhören und dann erst diese Entscheidung zu treffen.

Gleichzeitig möchte ich da noch mal einhaken, weil ich bin ja dann quasi so in der Rolle von dieser Chefin und muss mir jetzt überlegen, was mache ich denn jetzt? Und diese Stimmen, die können ja auch ganz unterschiedliche Perspektiven haben, die können ja auch aus einem ganz unterschiedlichen Kontext sprechen. Und ich kann mir das trotzdem schwer vorstellen, wie ich dann zum Beispiel erkennen kann, ob das gerade einfach so ein Selbstzweifel ist, der mir quasi jetzt da seinen Bericht erstattet, oder ob das vielleicht ein begründetes Bauchgefühl ist, das mir was Wichtiges sagen will. Also wie kann ich dann da als Chefin eine Entscheidung treffen?


Maren:

Genau, also das kann man vielleicht jetzt so auf den ersten Blick auch gar nicht so richtig erkennen. Aber da kommt man dann oft drauf, wenn man wirklich diesen Anteil befragt. Und im Coaching würde ich dann tatsächlich so vorgehen, dass ich wie so eine Art Dialog anfange mit diesem inneren Anteil und dann sage: Okay, ich sehe, du fühlst dich nicht wohl mit der Vorstellung. Ich greife das noch mal auf – vielleicht so einen Online-Kurs zu starten. Was sind dann bei deinen Interessentinnen so für typische Bedenken? Was würde dann vielleicht so ein innerer Anteil darauf antworten?


Katharina:

Also eine der größten Bedenken ist zum Beispiel: Boah, schaffe ich das? Weil das ist ja schon einiges an Arbeit und da sitze ich lange dran und ich habe ja eh schon so viel zu tun. Schaffe ich das dann wirklich? Und dann auch so in Richtung: Lohnt sich denn die Arbeit, die wir da reinstecken?


Maren:

Genau, genau. Und dann kann ich in mich reinfühlen und sagen: Gibt es einen Teil von mir – oder aus meiner inneren Chefin, meinem inneren tiefen Selbst heraus –, kann ich das nachvollziehen? Und oft kann ich dann sagen: Ja, also dass du auf jeden Fall viel zu tun hast und dass du nicht möchtest, dass wir uns da jetzt vielleicht auch mit überfordern, kann ich total nachvollziehen. Und nicht nur kann ich das nachvollziehen, sondern das möchte ich ja auch selber nicht. Ich möchte ja auch nicht, dass wir jetzt hier uns irgendwie eine 80-Stunden-Woche schaffen und hinterher total erschöpft sind. Also das kann ich jetzt erst mal nachvollziehen.

Und dann kann ich zum Beispiel zurückfragen: Was befürchtest du denn, was passieren würde, wenn wir jetzt diesen Online-Kurs anfangen zu erstellen und merken, boah, das ist ganz schön viel? Was wäre so das Schlimmste, was passieren könnte? Ich spiele jetzt mal einfach die andere Seite.


Katharina:

Ja, genau – dann wäre es zum Beispiel so: Oh ja, dann bleibt ja noch weniger Zeit für die Familie, für die Freizeit. Ich bin ja eh schon am Limit. Also wenn wir jetzt da noch mehr machen, dann ist ja der Rest vom Leben irgendwie komplett weg. Gerne auch so in diesem übertriebenen.


Maren:

Also ja, ja, also du befürchtest, dass dann überhaupt keine Zeit mehr übrig bleibt für die Familie und für Erholung und für die ganzen Sachen, die dir total wichtig sind. Und ich kann dir sagen: Ja, wenn ich mir das so anhöre, dann merke ich, mir sind diese ganzen Sachen auch echt wichtig. Also Familie – natürlich möchte ich nicht, dass meine Kinder zu kurz kommen. Und natürlich möchte ich mich auch zwischendrin noch mal erholen.

Und dann kann man jetzt – ich mach mal so ein bisschen Fast-Forward – versuchen, mit dem Anteil einen Kompromiss zu finden. Man kann erstmal fragen: Okay, wie fühlt sich das für dich an? Oder vielleicht auch für dich, Katharina: Wie fühlt sich das jetzt gerade für dich an, wenn du merkst, ich kann das eigentlich verstehen und ich sehe das eigentlich auch als berechtigte Argumente?


Katharina:

Ja, ich merke das schon, wenn wir drüber sprechen, auch wenn das jetzt so ein fiktives Szenario ist. Ich merke: In dem Moment, wo mir da so viel Verständnis entgegengebracht wird, dann muss ich nicht mehr in die andere Richtung ziehen und irgendwie so meine Wahrheit verteidigen. Sondern kann auch selber so einen Schritt drauf zu machen, kann auch selber sagen: Okay, meine Bedenken sind jetzt mal gehört worden, meine Sorgen sind gehört worden, da interessiert sich jemand wirklich für das, was ich sag. Und da bin ich jetzt auch ganz anders bereit zu sagen: Okay, wir können vielleicht noch mal drüber reden. Als wenn du gesagt hättest: Ach ja, das kriegen wir schon irgendwie hin.


Maren:

Genau. Oder wenn ich gesagt hätte: Jetzt stell dich halt mal nicht so an, jetzt musst du dich halt mal für sechs Monate zusammenreißen und dann wird das schon. Aber ich kann – und das kommt jetzt auch wirklich von Herzen – das verstehen. Und ich finde das sogar ganz, ganz wichtig, dass diese wichtigen Werte Familie und Freizeit nicht zu kurz kommen.

Also könnte man jetzt sogar noch einen Schritt weitergehen und sagen: Okay, könntest du dir vorstellen, dass du mir erlaubst, mich mal ein bisschen zu informieren? Wie viel Zeit man zum Beispiel überhaupt einplanen müsste pro Woche, um einen guten Online-Kurs zu erstellen, dass ich mir da erst mal ein paar Informationen einhole, ohne dass du mich sofort ausbremst. Aber wenn du merkst, dass es wirklich zu viel wird oder dass ich mich jetzt verrenn in eine Richtung, wo wirklich meine Freizeit und meine Familienzeit nicht nur im Minutenbereich, sondern irgendwie in einem Bereich, der mich wirklich stört, gefährdet ist – würdest du dich dann bitte noch mal bei mir melden? Und dann kannst du von mir aus auch auf die Bremse treten, weil das möchte ich selber auch nicht.

Aber können wir in der Zwischenzeit uns vielleicht erst mal offen und neugierig informieren und dann noch mal drüber sprechen, wenn wir mehr Informationen haben? Das wäre jetzt zum Beispiel so ein Kompromiss, wo ich oft erlebt habe, dass die inneren Anteile dann bereit sind zu sagen: Okay, für die nächsten drei Wochen lasse ich dich mal machen und dann sprechen wir noch mal. Und dann muss ich das nicht heimlich oder gegen ihren Widerstand machen oder so, sondern dann löst sich innerlich so ein bisschen was.

Und dann passiert auch oft körperlich, dass unser Nervensystem merkt, die psychische Spannung lässt nach. Und körperlich kommt dann oft so ein Aufatmen, die Schultern sacken runter, die Leute sagen: Oh, ich fühle mich plötzlich leichter auf der Brust. Und da spürt unsere Psyche und unser ganzer Körper, dass da jetzt gerade innerlich was Wichtiges sich verschoben hat.


Katharina:

Ja, und ich merk auch, dass dieser Gedanke – okay, wir gehen jetzt erstmal in die Recherche, wir müssen noch keine ganz-oder-gar-nicht-Entscheidung treffen, sondern gehen einfach mal einen Schritt weiter –, dass das auch noch mal einiges an Druck rausnimmt.


Maren:

Ja, ja, genau. Erstmal sozusagen so die kleinen Zwischenschritte auch noch mal oder vielleicht auch konkreter: Ja klar, wenn du gar nicht weißt, was auf dich zukommt, dann ist ja klar, dass du dir Sorgen machst. Also lass uns doch erst mal gucken, ob wir nicht da ein bisschen konkreter darüber sprechen wollen, was eigentlich mein Plan ist – oder was du vielleicht denkst, was mein Plan ist. Das kann ja auch ganz unterschiedliche innere Bilder sein, die die unterschiedlichen inneren Anteile haben über das, was da möglicherweise passieren könnte.


Entscheidung getroffen – und trotzdem geht nichts: Was steckt dahinter?

Katharina:

Spannend. Ich danke für diesen Einblick auch in die Arbeit mit den inneren Anteilen. Ich glaube, das macht es einfach auch noch mal viel, viel greifbarer. Lass uns mal einen Schritt weitergehen. Also sagen wir mal, ich habe mich mit meinen inneren Anteilen so weit geeinigt, ich habe mir alles angehört, ich habe eine Entscheidung getroffen und habe gesagt: Okay, ich will das machen. Und trotzdem erlebe ich das immer wieder, dass dann diese Entscheidung da ist, ich will das wirklich machen, und trotzdem passiert nichts. Es wäre da irgendwo so ein Block noch ganz, ganz viel tiefer drin, der da die Bremse reinhaut oder irgendwie verhindert, dass das wirklich dann vorwärts geht. Was ist da dein Ansatz, wie du damit umgehst? Und vielleicht auch so in dem Kontext von deinem grundsätzlichen Ansatz, dass es gar nicht nötig ist, so komplett über alles drüber zu gehen, über diese Grenzen drüber zu gehen und einfach auch in der Komfortzone zu bleiben – und dann nicht zu sagen: Okay, da ist eine Blockade, jetzt erst recht, da stürme ich da drüber.


Maren:

Genau, also es gibt ja dieses weit verbreitete Bild, vor allem in Social Media – was übrigens wissenschaftlich gar keine richtige Grundlage hat, das ist auch ganz interessant, ich habe mal versucht rauszufinden, wo das herkommt, und es steht dann immer so ohne jegliche Quelle. Das ist dieses Bild, da sind dann so mehrere Kreise übereinander oder immer größer werdend, und in der Mitte ist irgendwie so die Komfortzone und dann kommt die Panikzone und dann kommt irgendwie, je nachdem wer das Bild so erstellt hat, die Lernzone oder die Magic Zone. Und es gibt dieses Bild mit diesem kleinen Kreis irgendwie Comfort Zone und dann irgendwie so ganz weit außen noch so ein kleiner Punkt und „this is where the magic happens".

Und dann hat man so das Gefühl: Okay, ich muss also raus aus dem Bereich, wo ich mich wohlfühle, und irgendwo so in dieses fremde, unbehagliche, stressige Land, und dann kann ich da irgendwie was Tolles machen. Und allein diese Vorstellung lähmt schon viele sensible Menschen, weil die schon genau wissen: Oh Gott, es wird so anstrengend, es wird mich so viel kosten, da gibt es so einen Backlash hinterher – also so, dass ich dann hinterher so fix und fertig bin, dass ich ewig brauche, um mich davon zu erholen. Dass sie das dann erst recht lähmt, überhaupt loszugehen.

Und mein Ansatz ist da eigentlich anders, nämlich zu sagen: Wir bleiben in der Komfortzone, beziehungsweise wir gehen immer so an den Rand der Komfortzone, da wo es aufregend wird, aber mein Toleranzfenster das gerade noch zulässt, dass ich mich damit beschäftige. Und dafür suche ich mir erstmal den ersten, nächsten, kleineren Schritt. Aber ich gehe halt auch immer wieder sozusagen in das Großraumbüro und gucke: Wie ist da gerade die Atmosphäre? Kann ich irgendwas dafür tun, damit sich hier alle wieder wohler fühlen? Wer hat jetzt gerade Bedenken?

Und manchmal ist es so, dass wenn wir uns auf den Weg machen und die anderen Anteile merken – oh, jetzt wird's wirklich ernst –, dass dann auch so tiefere Themen in uns plötzlich aktiviert werden, die wir vielleicht auch gar nicht so richtig verbalisieren können. Das sind oft dann irgendwie so Beziehungsthemen. Wenn ich sage: Okay, wenn ich irgendwie laut und selbstbewusst sage, hier bei mir gibt's was Tolles, alle sollten das angucken und alle sollten dafür vielleicht sogar noch so viel Geld bezahlen, dass ich auch gut davon leben kann – dann kommen ganz viele, oft ganz frühe, Selbstzweifel hoch. Vor allem auch oft bei Frauen, die dann irgendwie gelernt haben: Du solltest irgendwie bescheiden sein und nett sein.

Denen fällt es dann oft ganz leicht, ihr ganzes Wissen umsonst herzugeben und anderen zu helfen und irgendwie warmherzig und großzügig zu sein. Aber wenn es dann darum geht, einen angemessenen Preis festzulegen, dann blockiert plötzlich alles. Weil sie dann denken: Oh Gott, und dann muss ich da irgendwie Preise verhandeln und was, wenn die Leute das dann vergleichen und andere Leute besser finden? Und dann kommen die ganzen Was-wenn, Was-wenn, Was-wenn.

Aber die sind oft gar nicht so richtig bewusst, sondern man spürt einfach nur: Jetzt haut die Bremse innerlich rein und plötzlich geht nichts mehr. Und dann kann ich – und das ist das Tolle an IFS – wieder genau das machen, was wir eben gemacht haben. Ich gucke: Okay, wer hat hier gerade Panik? Wer drückt auf die Bremse? Wer ist vielleicht schon irgendwie ausgestiegen und weint auf der Toilette? Und dann gehe ich hin und versuche, mit diesem Anteil ins Gespräch zu kommen.

Und dann kann ich auch zum Beispiel die Frage stellen: Was befürchtest du, was passieren könnte? Ja, keine Ahnung – ich mache das alles, stecke unheimlich viel Kraft rein und am Ende kauft es keiner. Und dann habe ich mich total blamiert und auch super viel Zeit und Energie verschwendet und mein Selbstwertgefühl ist auch noch im Keller. Oh Gott, ja, natürlich, das fühlt sich total fies an.

Und dann kann ich vielleicht auch fragen: Okay, danke, dass du mich davor beschützen möchtest, und ich sehe, dir geht es echt nicht gut. Sag mal, das klingt aber so – dieses Gefühl von: Ich mache ganz viel und am Ende bin ich dann total erschöpft –, dass du das vielleicht auch schon länger mit dir rumträgst. Wo hast du das denn zum ersten Mal erlebt? Und dann kommen wir oft auch so an die Situationen, wo wir das zum ersten Mal erlebt haben, und können dann plötzlich sehen, dass wir da vielleicht mit einem kleinen Kind reden. Das unglaublich viel Mühe in die Hausaufgaben gesteckt hat und dann hat der Lehrer gesagt: Na, das ist vielleicht maximal nur eine Drei. Und das ist dann so eine Wunde – das ist jetzt kein Lebenstrauma, aber das ist irgendwo in uns abgespeichert.

Und wenn ich dann sehen kann: Ahja, da kommt es her – und das können wir mit Hilfe von IFS eigentlich ganz gut erfragen, weil wir vorher schon immer Vertrauen aufgebaut haben – wenn diese Anteile sich uns dann anvertrauen, dann können wir ganz, ganz viel Mitgefühl mit denen haben. Und dann können wir entweder sagen: Okay, weißt du was, ich gebe mir so viel Mühe wie ich kann, dass das nicht passiert. Aber falls es doch passiert, dann trage ich die Konsequenzen, und ich werde dich nicht dafür niedermachen. Du bist bei mir zumindest sicher.

Und wenn wir dann merken, das ist vielleicht sogar so ein kleines Schulkind, dann sagen wir: Okay, du weißt was – wenn du das gar nicht mitmachen möchtest, wenn es jetzt für dich zu belastend ist, dann darfst du vielleicht woanders spielen gehen und wir Erwachsenen kümmern uns darum. Und wenn es dann schiefgeht, dann musst du da gar nichts mit zu tun haben, sondern dann klären wir das auch.

Und das klingt total paradox, so als ob man einen Teil seiner Psyche irgendwie einfach auslagern könnte. Aber die Wirkung ist tatsächlich super entlastend. Und dann können wir gucken: Wo würde sich das innere Kind irgendwie wohlfühlen? Mag das irgendwo spielen gehen, mag das irgendwie über die Wiese oder auf den Spielplatz oder mag sich das ins Bett kuscheln und ein Buch lesen?

Und dann, wenn ich dann wieder ins innere Team zurückgehe und frage: Okay, und wie fühlt ihr euch jetzt? Wie ist die Stimmung jetzt? Habt ihr das Gefühl, wir können loslegen? Dann ist es oft ganz anders. Und dann ist so ein inneres Ja, okay, ja, alles klar, los geht's.

Und weil das eben sehr, sehr individuell ist, ist es halt einfach wichtig, dann vielleicht auch mit jemandem, der sich da gut auskennt, zu arbeiten. Oder wenn du das jetzt einfach gehört hast und sagst, das probiere ich mal für mich selber aus: Mal reinzugehen und mal so ein bisschen einfach innerlich so ein liebevolles Gespräch anzufangen und zu gucken, was könnte denn vielleicht dahinter stehen. Und manchmal brauchen wir jemand anderen, der uns einfach so eine Sicherheit gibt, dass uns das nicht um die Ohren fliegt. Dann wäre vielleicht ein Coaching ganz gut. Aber IFS eignet sich auch, um das mit sich selbst ganz gut auszumachen. Und wenn man es einmal gelernt hat, dann kann man das auch einfach immer wieder so anwenden und damit eigentlich immer wieder solche vertrackten Situationen klären – mit ganz viel Selbstmitgefühl.


Katharina:

Was ich an dem Beispiel auch total spannend und schön finde, ist dieses: Es muss nicht irgendwie so ganz oder gar nicht sein. Also ich muss jetzt nicht entweder raus aus meiner Komfortzone und mache das oder ich bleib halt drin und mache es nicht. Sondern dass es da ja auch Möglichkeiten und Wege gibt, Lösungen zu finden, die jetzt vielleicht gar nicht erst mal auf den ersten Blick offensichtlich sind, und vielleicht auch einfach im Inneren stattfinden, anstatt einfach nur diese schwarz-weiß-Entscheidung treffen zu müssen


Maren:

Ja genau. Und das hilft mir eigentlich wie so eine Art innere Komfortzone aufzubauen. Weil ich dann sagen kann: Okay, selbst wenn es schiefgeht, dann halten wir hier als Team zusammen. Ihr könnt euch darauf verlassen, dass ich hier keinen niedermache, und wir belohnen uns hinterher trotzdem. Es kriegt trotzdem jeder sein Gehalt, oder was auch immer. Es wird keiner gefeuert, ich bin super stolz auf mein Team, egal was am Ende bei rauskommt.

Und mit so einer inneren Haltung festige ich quasi meine innere Komfortzone. Und das meine ich damit, wenn ich sage: Ich kann wachsen, indem ich in meiner Komfortzone bleibe. Weil ich in mir selbst ein Klima fördere, das Wachstum möglich macht und was Druck rausnimmt.

Und das ist nicht nur, dass ich das persönlich gut finde, sondern zum Thema Selbstmitgefühl gibt es inzwischen über zehntausend verschiedene Studien. Und zwar auch nicht nur mit innerer Arbeit bei Individuen, sondern auch bei Top-Managern, bei Medizinern im OP, bei Athleten bei Olympia – also wirklich so Situationen, wo man sagen kann: Okay, das ist schon echt super stressig. Und wenn man denen beibringt – dann nennt man das halt nicht Selbstmitgefühl, weil das von manchen von diesen Kreisen belächelt wird, dann nennt man das dann innere Stärke –, aber was man macht, ist trotzdem, mitfühlend mit sich selbst umzugehen, sich selbst den Rücken zu stärken und einfach freundlich mit sich selbst zu bleiben.

Und da gibt's durch die Bank immer wieder das Ergebnis, dass diese Menschen nach diesem Programm sich innerlich stärker und ruhiger fühlen, dass sie weniger Angst vor Fehlern haben und dadurch bessere Leistungen bringen können und produktiver sind, und auch in ihren äußeren Teams viel besser mit Druck umgehen können. Und ja, so eine unterstützende, kooperative Atmosphäre entsteht anstatt so ein Gegeneinander. Und das finde ich schon sehr beachtlich. Also das fühlt sich nicht nur gut an, sondern es ist auch wissenschaftlich wirklich solide fundiert.


Zum Weiterlesen: Ressourcen zum Thema Selbstmitgefühl von der führenden Forscherin auf dem Gebiet, Dr. Kristin Neff (englisch)


Den Körper als Kompass nutzen

Katharina:

Ich finde das super, super spannend. Und jedes Mal, wenn du von der Komfortzone oder der inneren Komfortzone erzählst oder auch auf deiner Website schreibst, merke ich, wie so ein inneres Aufatmen passiert. Ja, alles gut, okay, wir müssen das nicht machen. Wir können einfach hier gemütlich bleiben, schauen, dass es mir gut geht, dass es uns gut geht, und das in unserem Weg, in unserem Tempo machen.

Auf deiner Website steht ein Satz, der mich auch mindestens genauso berührt hat. Da schreibst du: „Dein Körper kennt das Leben, nach dem du dich sehnst." Wow! Also als ich das gelesen habe, habe ich mir gedacht: Okay, so Gänsehaut. Wie kann ich denn meinen Körper dann, wenn er das schon alles so gut kennt, vielleicht auch ein Stück weit nutzen, um über auch den Körper bessere Entscheidungen zu treffen? Also nicht einfach nur rational abzuwägen, sondern auch wirklich zu spüren, was dann für mich stimmt.


Maren:

Genau. Wir können unseren Körper eigentlich nutzen wie so eine Art Kompass. Und der erste Schritt dafür ist, dass wir erst mal gucken müssen: Ist der Kompass gut geeicht? Und das ist das, was ich vorhin gemeint habe, auch so mit der inneren Ampel. Also bin ich denn jetzt gerade überhaupt in einem Zustand, wo ich gut Entscheidungen treffen kann? Oder bin ich total gestresst, genervt oder habe innerlich eigentlich schon aufgegeben?

Und wenn das zutreffen sollte, dann kann ich meinen Körper nutzen, um einfach auf körperlicher Ebene zum Beispiel Adrenalin und Stress abzubauen, indem ich mich bewege, indem ich rausgehe, indem ich mir angenehme Musik anmache, oder indem ich mal gucke: Brauche ich vielleicht einfach was zu essen, was zu trinken? Und so auf verschiedene Art und Weise schaue: Gibt es irgendwas, was mir auch einfach körperlich hilft, wieder in einen entspannteren Zustand zu kommen?

Und manchmal kennt man das, dass man zum Beispiel bevor es in den Urlaub geht, packen muss und man ist schon total gestresst. Aber sobald man im Auto sitzt und die bestimmte Playlist angeht, dann kommt so dieses Urlaubsgefühl. Oder für mich ist es jetzt gerade – jetzt haben wir gerade Frühling – ich habe mich zum ersten Mal wieder mit Sonnencreme eingecremt und dieser Geruch von der Sonnencreme, der löst in mir einfach so ein absolutes Urlaubsgefühl aus.

Und das ist sowas, da können wir unseren Körper nutzen, um so ein paar Reize zu setzen, die mir sofort gut tun. Für manche ist es der Geruch von frisch gemahlenem Kaffee, für manche ist es irgendwie so ein bestimmtes Soul Food. Und in der Psychologie nennen wir das das Gegenteil von einem Trigger. Weil der Trigger bringt mich sofort in irgendwas Negatives rein – und dieses Positive nennen wir Glimmer. Und das finde ich einfach unheimlich schön, wie so ein inneres Glitzern. Und da kann ich einfach meinen Körper nutzen, um mal zu gucken, was fühlt sich denn instinktiv total gut an, und mir so ein paar individuelle Glimmer zusammenstellen, die ich dann nutzen kann, um überhaupt erstmal wieder ein bisschen runterzukommen. Und oft sind es erstaunlich kleine Dinge. Aber wenn wir die machen, geht es uns besser. Wie so ein zehnminütiger Spaziergang zum Beispiel. Oder Duschen ist super, um so einen inneren Reset zu machen.

Und wenn wir dann so ein bisschen wieder klarer sehen können, dann haben wir oft einen ganz guten Zugang zu unserem – das nennen wir – impliziten Wissen. Also das ist das Wissen, was wir gar nicht so gut mit Worten ausdrücken können. Also wenn du jetzt mit Worten beschreiben müsstest, wie fahre ich am besten Fahrrad, ist es unheimlich schwer zu erklären. Aber dein Körper macht es einfach, wenn er es erst mal gelernt hat.

Und genauso kann ich dann innerlich sagen: Okay, jetzt, wo ich sagen kann, ich bin so ein bisschen aus dem Stress raus, ich habe mich beruhigt, ich habe vielleicht paarmal tief durchgeatmet, geduscht, was auch immer – jetzt fühle ich noch mal rein. Option A: Onlinekurs erstellen. Wie fühlt sich das jetzt an? Merke ich, auch wenn es ein bisschen aufregend ist, dass da irgendwas in mir aufgeht. Da kommt so eine Vorfreude, da kommt irgendwie so ein Gefühl, da zieht es mich hin. Selbst wenn ich weiß, das wird viel Arbeit, dann ist es schon mal ein guter Indikator dafür, dass ich damit insgesamt auf einem guten Weg bin.

Und wenn ich aber merke, jetzt macht sofort alles zu, ich kriege vielleicht einen dicken Kloß im Hals, oder ich kriege Bauchschmerzen, oder ich ziehe irgendwie die Schultern hoch – dann ist es so ein inneres Warnsignal. Und es heißt vielleicht nicht zwingend, dass ich das auf keinen Fall machen soll. Aber dass es da irgendwas in mir gibt, was im Laufe meines Lebens ganz viel Datenpunkte gesammelt hat und instinktiv jetzt sagt: Das passt gerade nicht, das ist gerade nicht das Richtige. Und dann kann ich wieder meine innere Chefin mit ins Boot holen und sagen: Komm, lass uns das mal ein bisschen genauer angucken.

Wenn es andere Teile gibt, die sagen: Nee, also das müssen wir aber auf jeden Fall machen – dann so. Aber manchmal merken wir auch, wenn wir darauf hören und wenn wir uns dann erlauben zu sagen: Nee, weißt du was, vielleicht ist es jetzt wirklich gerade nicht das Richtige – dann kann uns dieses innere Gespräch auch helfen, mit Hilfe unseres Körpers an den Punkt zu kommen, zu sagen: Nee, alle Indizien sprechen dafür, dass es gerade keine gute Entscheidung ist. Und dann kann ich es auch mit einem guten Gefühl wieder loslassen.

Und dann habe ich nicht das Problem, dass ich dann zwei Wochen später wieder da sitze und denke: Oh, hätte ich vielleicht schon vor einem halben Jahr endlich mal mit diesem Online-Kurs anfangen sollen. Dann kann ich es wirklich auch sozusagen in Frieden gehen lassen. Und da kann meine Körperweisheit, die mich kennt, seit ich auf der Welt bin, mir eben auch noch weitere wichtige Informationen geben.


Katharina:

Das ist eine schöne Perspektive. Dieses, dann kann ich eine Entscheidung treffen, die ich dann auch in Frieden gehen lassen kann. Weil oft jagen die einem ja dann noch nach und es lässt einen dann doch keine Ruhe. Das ist eine schöne, schöne Möglichkeit, da einfach auch so einen Abschluss für zu finden.


Marens Coaching – für wen ist es gedacht und wie läuft es ab?

Katharina:

Wenn jetzt jemand da gerne tiefer einsteigen möchte und sagt, ich würde mir gerne Unterstützung holen, mit all diesen Leuten im Inneren ins Gespräch zu kommen und vielleicht auch eine gute Atmosphäre im Team, in der inneren Familie aufzubauen – für wen ist dein Coaching gedacht und wie arbeitest du mit deinen Coachees zusammen? Also wie kann ich mir das vorstellen?


Maren:

Genau, mein Coaching ist eigentlich für Menschen, die in so einer Situation stecken wie jetzt deine Interessentinnen. Ein super Anlaufpunkt, aber einfach auch für alle Selbstständigen, die merken, dass sie immer wieder hartnäckige Selbstzweifel haben, obwohl sie eigentlich rational genau wissen: Ich bin kompetent, meine Klientinnen sind so gut wie immer zufrieden. Selbst wenn es mal Nachfragen oder irgendwelche Schwierigkeiten gibt, habe ich das bis jetzt immer gut lösen können. Aber irgendwas hält mich trotzdem zurück.

Immer wieder, wenn eine neue Anfrage kommt, dann liege ich nachts wach und überlege, was alles schiefgehen könnte und was ich dann alles machen könnte. Oder ich schiebe diese Entscheidungen immer wieder vor mir her – und egal, ob ich mich für ja oder nein entscheide, zwei Wochen später sind die innerlich wieder auf dem Tapet.


Zum Weiterlesen: Selbstzweifel-Test für ein individuelles Feedback, wo du gerade stehst und was dir als erstes helfen könnte

Maren:

Und dann helfe ich ihnen einmal ganz konkret erstmal mit Strategien, das Nervensystem wieder zu beruhigen, ihre Glimmer zu finden und ja, wieder ihren inneren Kompass zu eichen, um gute Entscheidungen und innere Klarheit überhaupt wieder herstellen zu können. Und dann gehe ich mit ihnen zusammen in diese innere Teamsitzung, so wie wir das vorhin auch gemacht haben.

Und wenn da jetzt keine wirklich großen Traumata dranhängen – die natürlich für Coaching nicht geeignet sind, sondern die, wenn ich das Gefühl hätte, da wäre sowas im Busch, dann würde ich von Anfang an eher eine Psychotherapie empfehlen –, aber wenn da jetzt keine riesigen Traumata dranhängen, dann kann man es eigentlich auch in wenigen Sitzungen oft wirklich dem auf dem Grund gehen und wieder an so einen inneren Ort kommen, wo man handlungsfähiger ist und wo zumindest erstmal so ein Kompromiss da ist, zu sagen: Okay, wir schauen mal, was passiert, wenn wir uns vorsichtig auf den Weg machen.

Wir fühlen mal rein, wie sich diese neue Art der Selbstführung anfühlt. Und dann begleite ich die Menschen entweder in zwei, drei kürzeren Sitzungen erst mal selbst an diesem Punkt anzukommen. Oder wenn sie möchten, durch den ganzen Prozess – also dass man dann sagt, man geht los und wenn sich dann wieder innere Zweifler und so weiter melden, dann wissen wir genau, wir können wieder zum Anfang gehen. Und dann bin ich wie sozusagen so eine Mediatorin im inneren Team und helfe dir, dass du deine eigene Selbstführung aufbaust, so dass du mit Klarheit, aber eben auch mit Mitgefühl, dein inneres Team dahin führen kannst, wo du spürst: Für alle ist das der richtige Weg. Und genau, das klingt schon ein bisschen danach, wie ich arbeite.


Was möchtest du unseren Hörer*innen mit auf den Weg geben, Maren?

Katharina:

Maren, vielen, vielen herzlichen Dank für dieses wunderschöne Gespräch mit dir. Ich finde es jedes Mal wieder beeindruckend und super spannend, wie viel Klarheit und Weisheit und Wissen wir da eigentlich die ganze Zeit mit uns herumtragen und eigentlich nur hingehen oder hinschauen oder hinspüren müssten.

Und wenn jetzt jemand von unseren Hörer*innen merkt, also wenn du merkst, dass du dich bei dem einen oder anderen wiedererkannt hast und noch tiefer in das Thema einsteigen möchtest, dann schau gerne mal bei Maren vorbei. Den Link zu ihrer Website findest du in den Shownotes und den Newsletter kann ich dir wirklich sehr empfehlen. Das ist für mich immer so eine kleine wohltuende Insel im Alltag und landet bei mir alles in einem Ordner mit der großen Aufschrift „Glimmer-Momente", weil genau, das ist dieser Newsletter für mich. Das ist immer wie so eine kleine Insel, wo ich wieder zurück in diesen grünen Bereich finden kann.

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Katharina:

In meinem Podcast haben meine Gäste immer das Schlusswort. Deswegen die letzte Frage für heute an dich: Was wäre so alles in allem die eine Sache, die du unseren Hörer*innen unbedingt mit auf den Weg geben möchtest?


Maren:

Ich würde sagen: Wenn du merkst, es geht nicht weiter, dann versuch nicht das zu machen, was du vorher gemacht hast, nur noch mit mehr Druck und mit mehr Kraft. Sondern schau mal hin, ob du einen Teil in dir findest, der ein offenes Herz hat und der vielleicht auch eine gewisse Neugier hat, dahin zu gucken, was wirklich los ist. Weil dieser innere Perspektivwechsel ist oft das, was die innere Bremse schon lösen kann.

Also statt mit mehr Druck versuch's mal mit mehr Mitgefühl und innerer Freundlichkeit und schau mal, wie sich das anfühlt und ob dann vielleicht auch der Körper reagiert und die Schultern schon beim Gedanken daran ein bisschen runtersacken. Das könnte der erste Hinweis darauf sein, dass das was sein könnte, was dir jetzt gut tut.


Leseempfehlung:

Weiterlesen auf Marens Website: https://marenhaede.de



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