Motivieren ohne Druck. So hilfst du den Lernenden wirklich beim Dranbleiben

So oft höre ich das Argument: Die Kurslaufzeit ist eingeschränkt, damit du motiviert bist und ins Tun kommst.

Gedanke dahinter: Ohne Druck lernt niemand was.

In diesem Blogartikel möchte ich dir fünf Alternativen vorstellen, wie du die Teilnehmenden motivierst. Denn Druck und Stress sind für deinen Onlinekurs und den Erfolg deiner Teilnehmenden so was von kontraproduktiv – und ich erkläre dir auch gleich, warum.


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Zu diesem Blogartikel gibt es auch eine Podcast-Folge mit dem gleichen Inhalt.

"Aber ohne Druck lernt doch niemand was?!"

Ich weiß nicht, ob du dieses Argument auch schon mal gehört hast. Mir begegnet das mittlerweile so oft – wahrscheinlich bin ich da auch ganz anders sensibilisiert als du.

Klar: Wenn du jemanden unter Druck setzt und sagst, du hast den Kurs zwei Monate lang und danach verfällt das, das ganze Geld, was du reingesteckt hast, ist dann futsch – dann kriegen die Leute schon irgendwo den Hintern hoch. Dann schauen die schon in den Kurs rein. Gerade wenn es so auf das Ende des Zeitraums zugeht, wird der Kurs noch schnell durchgeschaut.

Ja. Aber mit welchem Ergebnis?

Denn Druck und Stress sorgen dafür, dass unser Gehirn nicht mehr am Lernen interessiert ist. Druck und Stress sorgen dafür, dass du quasi nur noch den Druck und den Stress loswerden möchtest, aber nicht mehr neugierig bist, Interesse hast, wirklich was verstehen willst. Mit Druck und Stress kannst du dir vielleicht kurzfristig was reinpauken, aber wirklich viel hast du nicht davon.

Das kennst du vielleicht noch aus den Schulzeiten. Da stand die Prüfung an. Du weißt: Okay, in drei Tagen ist die Schulaufgabe. Jetzt noch schnell alles reinballern. Das wird dann in der Prüfung wieder aufs Papier gebracht. Und drei Tage später, wenn dich jemand fragt, denkst du dir: Ja, ist eigentlich eine gute Frage. Keine Ahnung, was das jetzt genau war. Schon wieder vergessen.

Und ich finde, gerade in der Erwachsenenbildung sollte das nicht unser Ziel sein.

Es sollte nicht unser Ziel sein, einfach mal irgendwo noch so eine Prüfung zu bestehen, sondern für Leute, die einen Onlinekurs freiwillig besuchen, weil sie was lernen wollen, da sollte das Ziel viel mehr sein, dass sie wirklich was daraus mitnehmen. Dass sie am Ende wirklich was können. Dass sie am Ende wirklich einen Kurs haben, der ihnen was gebracht hat – in dem Sinne, dass sie die Inhalte anwenden können, dass das spürbar wird, dass das erlebbar wird, dass der Kurs einen Unterschied macht.



5 Alternativen, um Teilnehmende wirklich zu motivieren

Deshalb möchte ich dir heute fünf Alternativen vorstellen, wie du die Leute motivieren kannst, am Kurs dranzubleiben und ihn zu bearbeiten.

Denn ich glaube, ich habe es schon mal irgendwo angesprochen: Du kannst die Leute motivieren. Und ich finde, als Kursleitung bist du auch dafür ein Stück weit verantwortlich, die Lernenden bestmöglich dabei zu unterstützen, durch den Kurs durchzugehen.

Die wenigsten von uns haben gelernt, wie Selbstlernen funktioniert. Und gerade in einem Selbstlernkurs sorgt das dafür, dass das erstmal eine Herausforderung ist. Wenn ich Möglichkeiten habe, die Leute zu motivieren, dann sollte ich die als Kurserstellung auch einfach nutzen.


1. Erkläre ihnen, warum sie etwas machen

Wenn sie wissen, warum sie zum Beispiel als Erstes diesen Schritt tun, können sie die neuen Inhalte viel viel besser einordnen und verstehen. Das Gehirn kriegt sogenannte Anker, an denen es das neue Wissen gut anknüpfen kann. Und außerdem ist das immer auch verbunden mit Relevanz: Wenn ich verstehe, warum etwas wichtig ist, warum es sich jetzt für mich lohnt, das zu machen, dann steigt automatisch die Motivation.

Das ist auch etwas, was ich oft aus Geschichten von Schulunterricht vermisse. Denn diese Frage ist eigentlich so einfach – und kann so viel bewirken. 

Kinder fragen das auch oft: Warum machen wir das jetzt? Warum müssen wir jetzt diese blöden binomischen Formeln lernen? Und wenn du ihnen dann eine gute Antwort geben kannst, ist dieser Widerstand, dieses „das bringt mir nichts", abgebaut. Und du hast sie viel viel motivierter dabei, als wenn du ihnen einfach nur die Informationen vorklatschst.


2. Verwende außergewöhnliche Beispiele und Vergleiche

Das erzeugt Aufmerksamkeit, Abwechslung und Neugierde. Und das Lernen fällt viel viel leichter.

Ich kann mich noch erinnern an mein Abschlussprojekt aus der Uni. Da ging es um Vektorrechnung.

Falls du das gerade nicht mehr auf dem Schirm hast: Ein Vektor ist wie eine Wanderanweisung. Ein Vektor sagt dir, du gehst als Erstes sieben Schritte in diese Richtung und dann drei Schritte in die andere Richtung. Oder stell dir eine Piratenschatzkarte vor: Der Vektor sagt dir, wie du vom Start zum Ziel laufen musst, um am Ende da anzukommen. Ich wette, du hast jetzt Bilder im Kopf – und das Thema Vektor ist nicht mehr ganz so abstrakt.

Durch Storytelling, durch Beispiele, durch Abwechslung kannst du Aufmerksamkeit schaffen, die Leute neugierig machen und ihnen gleichzeitig Anker geben, um die Informationen besser zu verarbeiten.

Abwechslung kannst du übrigens auch durch unterschiedliche Formate reinbringen. Es muss nicht immer Video sein. Ich sag das jetzt einfach so lange, bis das wirklich alle Leute wissen: Es muss nicht immer Video sein. Unser Gehirn reagiert darauf, wenn sich etwas ändert, wenn irgendetwas passiert – das sogenannte sensorische Register lässt dann neue Informationen rein.

Statt also zu derselben Folie eine halbe Stunde zu reden, mach kleine Einheiten, wechsel zwischen verschiedenen Formaten hin und her. So kannst du Abwechslung dafür nutzen, dass es den Lernenden leichter fällt, dranzubleiben.


3. Belohnung und Lob

Es wird so unterschätzt, aber es kann einfach Wunder wirken!

Wenn die Lernenden einen entscheidenden Schritt gegangen sind, nimm dir Zeit, das mit ihnen zu feiern. Oder überrasch sie mit einem kleinen zusätzlichen Goodie. Zum Beispiel ein Formular, mit dem sie arbeiten können, ohne es selbst erstellen zu müssen, eine Checkliste, mit der sie nicht gerechnet haben, irgendetwas, das ihnen im Kontext zusätzlich hilft. 

Oder lob sie. Sag ihnen, dass sie gerade wirklich einen entscheidenden Schritt gegangen sind. Mach ihnen bewusst, wie viel sie bereits erreicht haben.

Das erzeugt Zuversicht, das erzeugt Erfolgserlebnisse – und die Wahrscheinlichkeit, dass sie weitergehen, steigt.


4. Arbeite mit Geschichten

Storytelling funktioniert wunderbar für Onlinekurse. Geschichten haben ihre eigene Magie. Sie ziehen einen rein und sorgen dafür, dass man wissen will, wie es weitergeht.

Wenn du Geschichten über deine Erfahrung mit dem Thema hast, Geschichten von Kund*innen, meinetwegen auch fiktive Geschichten, wo du etwas gut erklären kannst – nimm das mit in den Kurs. Geschichten sind oft auch das, woran wir uns erinnern. Das hilft den Lernenden, dranzubleiben.

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5. Eine Selbstverpflichtungserklärung

Das finde ich, wird immer noch viel zu selten verwendet.

Eine Selbstverpflichtungserklärung ist eigentlich nichts anderes als ein kleiner Vertrag mit sich selbst, wo sich die Teilnehmenden noch einmal vor Augen führen, warum sie den Kurs machen. Und in dem Moment, wo ich einen Vertrag unterschreibe – und sei das auch nur mit mir selbst – hat dieser Kurs gleich eine ganz andere Bedeutung.

Eine Selbstverpflichtungserklärung bekommst du übrigens auch von mir im 1:1. Gerade bei so einem umfangreichen Projekt wie einem Onlinekurs lohnt es sich, das einfach einmal zu machen. Ist aber natürlich kein Muss : )


Fazit

Neben diesen fünf Möglichkeiten gibt es natürlich noch zig andere. Das hier ist nur eine kleine Liste zur Inspiration gedacht. Wahrscheinlich ist nicht alles für deinen Kurs passend – aber du siehst, glaube ich, in welche Richtung das geht.

Falls dir jetzt direkt etwas eingefallen ist, was du machen kannst, um die Teilnehmenden deines Kurses beim Thema Motivation zu unterstützen, schreib dir das am besten direkt auf, damit es nicht verloren geht.


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