Dieser Blogartikel erscheint im Rahmen der Blogparade "Warum tue ich mir das eigentlich an?" von Céline Tüyeni
Ich kann mich noch genau an meinen allerersten Onlinekurs erinnern, den ich als Kundin besucht habe.
In dem Kurs ging es um berufliche Neuorientierung und die Frage: Ist die Selbständigkeit was für mich?
Zu dem Zeitpunkt hatte ich gerade mein Staatsexamen in den Hauptfächern geschrieben und habe mich auf meine Prüfungen im Nebenfach Medienpädagogik vorbereitet.
Das Jahr davor war turbulent. (Und das ist noch eine ziemliche Untertreibung.)
Nach fast 9 Semestern Lehramts-Studium habe ich mir endlich eingestanden, dass hochsensibel + introvertiert + Regelschule keine gute Idee für mich ist. Dass mich das so viel Kraft und Energie kostet, dass ich das Gefühl habe, neben Arbeit, Essen und Schlafen ist fast nichts mehr von meinem Leben übrig.
Und das war ein Schock. Nicht nur für mein Umfeld.
Immerhin wollte ich seit ich 3 Jahre alt war Lehrerin werden. Und das in dem Moment aufzugeben war für mich alles andere als leicht.
Denn das Lehren und Lernen hat mich schon immer fasziniert und begeistert.
(Was das anbelangt bin ich ein bisschen wie Hermine Granger 😀 )
Ein Plan B musste also her. Und ich wusste, ich möchte damit nicht warten, bis ich meinen Abschluss komplett fertig habe.
Dieser Onlinekurs klang dafür perfekt.
Die Kurserstellerin – nennen wir sie Lina, auch wenn sie nicht so heißt – kannte ich schon aus etlichen Workshops. Sie war witzig, super sympathisch, konnte sich in ihre Gegenüber reinversetzen, hat immer eine passende Antwort gehabt und super gute Ideen, die genau auf die jeweilige Situation gepasst haben.
Seit Monaten las ich ihren Newsletter, ihre Podcast-Folgen hatten mich stundenlang begleitet und Linas Blog war sowieso in meinen Favoriten im Browser gespeichert
Du kannst dir bestimmt vorstellen, wie sehr ich mich auf den Kurs gefreut habe.
Voller Begeisterung habe ich den Kurs angefangen und mich durch etliche Stunden Videomaterial durchgeschaut und sorgfältig alle Aufgaben bearbeitet.
Und mit jedem Modul wurde ich frustrierter.
Die Inhalte waren oberflächliche Allgemeinplätze, die gleichzeitig für Keinen und Jeden gegolten haben. Die Aufgaben haben zwar etliche Seiten in meinem Notizbuch gefüllt, aber ich war so schlau wie vorher.
Und nach etwa 20 Stunden Arbeit am Kurs (ich war gerade mal in Modul 3 von 8) habe ich den Kurs abgebrochen, weil ich festgestellt habe: Das bringt mich nicht weiter.
Anstatt meine Fragen zu lösen, mir Perspektiven und Möglichkeiten aufzuzeigen und mit zu helfen, eine Entscheidung zu treffen, hatte ich nur noch mehr Fragezeichen im Kopf und war unsichererer als je zuvor.
Von der Lina, wie ich sie bisher kennengelernt habe, war kaum was zu spüren.
Ihr Fachwissen? Ihre Erfahrung? Ihre klugen Ideen? Es hat sich angefühlt, als würde ich bei einer anderen Frau im Kurs sitzen, die halt einfach genauso aussieht und spricht wie sie, aber sonst wenig mit ihr gemeinsam hat.
Und genau DAS war dann der Aha-Moment, den ich mir eigentlich von den Kursinhalten erhofft hatte. Denn ich wusste aus meinem Studium und meiner jahrelangen Erfahrung genau, was gute Lehre ausmacht, was das Problem bei dem Kurs war und wie du ihn hättest so gestalten können, damit die Lernenden davon wirklich profitieren und begeistert rausgehen. Und auf einmal haben sich all die losen Puzzleteile wieder zusammengefügt. Denn ich hatte eine Möglichkeit gefunden, trotzdem noch in gewisser Weise Lehrerin zu werden – auch, wenn deutlich anders, als ich mir das jemals ausgemalt hatte.
Lina hat ein paar Wochen, nachdem ich den Kurs gekauft hatte, die Selbständigkeit an den Nagel gehängt. „Es hat einfach nicht so funktioniert, wie ich mir das immer vorgestellt habe.“, schrieb sie in ihrem letzten Newsletter.
Ob es an dem Onlinekurs lag weiß ich nicht. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass er seinen Teil dazu beigetragen hat. Denn so ging es bestimmt nicht nur mir mit dem Kurs.
Jedes Mal, wenn mich jemand nach meinem Warum hinter der Selbständigkeit fragt, muss ich an diese Geschichte denken.
An Lina, die eigentlich so viel weiterzugeben gehabt hätte, und wo es nicht an der Expertise, sondern schlicht an Pädagogik & Didaktik gescheitert ist.
Und an mein jüngeres Ich, das schon fast gedacht hätte, ihre Träume begraben zu müssen.
Mit der Onlinekurs-Manufaktur habe ich jetzt die Möglichkeit, wirklich etwas zu bewirken.
Halb im Scherz sage ich immer gerne: Ich helfe Menschen, die Welt zu verändern.
Denn ich bin fest davon überzeugt, DASS Wissen die Welt verändern kann: Die Lebenswelt von jedem Einzelnen, der mit deinem Kurs etwas erreichen kann, das er*sie vorher nicht konnte.
Und das wiederum hat natürlich auch einen Impact auf die Menschen drum herum. Und so weiter.
Vorausgesetzt jedenfalls, dass das Wissen und Know How im Kurs wirklich bei den Teilnehmer*innen ankommt.
Und genau dabei helfe ich.
Damit du mit deiner Expertise noch mehr Menschen weiterhelfen und deren Welt verändern kannst, ohne jede*n Einzelne*n im 1:1 zu begleiten.
Zusätzlich gibt mir die Selbständigkeit einen Rahmen, das zu tun, was mir wirklich liegt, worin ich gut bin, was mich schon seit so vielen Jahren begeistert und mir echt am Herzen liegt. Aber eben zu meinen Bedingungen. So, dass ich das Gefühl habe, neben der Arbeit noch genug Zeit und Energie für all das andere zu haben, das mir Freude und mein Leben besonders macht:
Für meine Familie, stundenlange Pen&Paper-Abenteuer und Spiele-Nachmittage. Für ausgedehnte Spaziergänge in der Natur. Für meine Harfe & meine Musik. Für all die Kreativ-Projekte, die alle paar Monate wechseln (aktuell habe ich Amigurumi für mich entdeckt: Diese kleinen Häkelfiguren). Und dafür meiner Leidenschaft für’s Kochen & Backen ausgiebig nachzugehen.
Seitdem ich die Entscheidung getroffen habe, mich selbständig zu machen, war natürlich nicht alles ein Spaziergang. Es gab so einige Momente, in denen ich mich gefragt habe:
- Lohnt sich das?!
- Macht das alles hier Sinn?!
- Kann das wirklich funktionieren?!
- Und schaffe ich das wirklich so, wie ich mir das ausgemalt habe?!
(Beispielsweise, als Google mir verkündet hat, dass es meinen Blog und meine Website zum Großteil nicht indexieren kann/will - das geht mir ehrlich gesagt bis heute nach... )
Das, was mich seit meiner Gründung immer wieder zuverlässig durch diese Momente des Zweifelns getragen hat, ist ein einziger Satz. Ein Satz, den mein Partner ganz zu Beginn dieser verrückten 'Reise' zu mir gesagt hat, als ich mich gefragt habe, ob das wirklich so eine gute Idee ist, mich selbständig zu machen.
Er sagte zu mir: „Wenn dir gerade selbst das Vertrauen fehlt, nimm meins solange. Denn ich bin fest davon überzeugt, dass du das schaffen kannst.“
Und dafür bin ich so unglaublich dankbar.
Denn ohne die Selbständigkeit hätte ich nicht den Raum gefunden, in dem ich selbstbestimmt und zu meinen Bedingungen arbeiten kann. Wo meine Hochsensibilität und Introversion kein lästiges Hindernis sind, sondern mir helfen und mein Leben noch schöner und bunter machen.
Einen Raum in dem ich mein Leben so leben kann, dass ich mich (hoffentlich) mit 90 noch glücklich an all das erinnere, was mein Leben besonders, wunderschön und einzigartig gemacht hat.
