Eine Sache, die meine Selbstständigkeit von Anfang an geprägt hat, ist die Slow Bewegung. Die Slow Bewegung ist damals insbesondere durch Slow Food bekannt geworden und steht im Kern dafür, dass wir das, was wir tun, bewusst, achtsam, entschleunigt und nachhaltig angehen.
Genau dieser Grundgedanke steckt auch in meinem Slow eLearning-Ansatz mit dem ich meine Kund*innen dabei unterstütze, Onlinekurse zu erstellen, die langfristig tragen und den Lernenden wirklich etwas bringen, statt sie einfach nur eine Zeit lang zu beschäftigen.
Denn ich bin der festen Überzeugung, dass nicht nur wir als AnbieterInnen, sondern auch unsere KundInnen sehr von diesem Slow-Ansatz profitieren.
Als ich irgendwann den Slow Business Podcast von Karin Graf-Kaplaner entdeckt habe, habe ich mich total darüber gefreut, dass jemand den Gedanken der Slow Bewegung auf das Business als Ganzes überträgt.
Deshalb habe ich Karin eingeladen, heute mit mir genau darüber zu sprechen.
Karin ist Slow Business Mentorin, Unternehmensberaterin und werteorientierte Coachin. Sie begleitet Frauen, die anders arbeiten wollen oder anders arbeiten wollen. Müssen und denen dennoch ein stabiles, erfolgreiches Business wichtig ist. Also Selbstständige, die erkannt haben, dass dieses schneller, höher, weiter nicht für sie funktioniert.
Dabei ist es ihr wichtig, ganzheitlich auf alle Bereiche der Selbstständigkeit zu schauen. Sie zeigt, wie Marketing ohne Social Media funktioniert und hat einen klaren Blick dafür, wie KI unser Business gerade verändert und wie wir diese Veränderungen als Chance nutzen können, ohne unsere Werte zu verraten.
Im Interview sprechen wir darüber was ein Slow Business eigentlich ausmacht, wie uns das als Unternehmer*innen dabei unterstützt, ein Business aufzubauen, das langfristig trägt, und wie uns der Slow Business Ansatz sogar beim Umgang mit KI helfen kann.
Hier kannst du dir das Interview anhören:
Hier findest du das Transkript der Folge:
Das Transkript ist für eine leichtere Lesbarkeit in Abschnitte mit Zwischenüberschriften geglieder, die sich an den einzelnen Fragen orientieren, die ich im Inteview gestellt habe.
Was bedeutet Slow Business eigentlich?
Katharina:
Liebe Karin, ich freue mich riesig, dass du heute bei mir im Podcast zu Besuch bist. Beim Begriff Slow eLearning merke ich aus meiner Erfahrung immer wieder, dass das gerne missverstanden wird. Deshalb würde ich dich bitten, bevor wir jetzt tiefer in das Gespräch einsteigen: Kannst du unseren Hörer*innen kurz erklären, was du unter Slow Business eigentlich verstehst?
Karin:
Das ist gleich eine ganz, ganz tolle Einstiegsfrage, liebe Katharina, weil ich tatsächlich auch immer wieder damit konfrontiert bin, dass Menschen das nicht richtig verstehen, was unter Slow Business gemeint ist.
Slow bedeutet in dem Zusammenhang nämlich nicht nur langsam, sondern viel, viel mehr. Also, vielleicht kennen einige die Slow Bewegung, es gibt ja Slow Food, Slow Travel, Slow Fashion, und daher kommt das. Und das beinhaltet ja unter anderem auch Nachhaltigkeit und so weiter.
Und in meinem Fall mit Slow Business ist mir ganz wichtig, das eigene Tempo zu würdigen und das eigene Tempo auch zu feiern. Weil aus meiner Sicht das einer der wichtigsten Punkte ist, warum ganz viele Solo-Entrepreneurinnen scheitern: weil sie eben nicht ihr eigenes Tempo akzeptieren. Das ist auch in gewisser Weise eine Art von Akzeptanz. Was ist mein Tempo? Das rauszufinden und dann versuchen, ihr Business mit einem Tempo aufzubauen, das nicht ihnen entspricht, und dadurch eben scheitern.
Katharina:
Ja, weil es dann einfach auch zu viel ist und dann auch wahrscheinlich Erwartung mit Realität so aneinander kracht. Woran merk ich das jetzt dann in meinem Alltag, also dass ich ein Slow Business habe? Was ändert sich da für mich, sowohl im Inneren als auch im Außen?
Karin:
Was ich ganz wichtig finde zu betonen: Slow Business heißt für mich nicht, dass wir irgendwo langsam dahin dümpeln und dann vielleicht auch noch irgendwie nur hoffen und nichts tun. Sondern Slow Business heißt für mich schon auch wirklich, eben in deinem Tempo die richtigen Schritte zu gehen, auch aufzuräumen. Minimalismus ist zum Beispiel ein wichtiger Teil meiner Slow-Business-Methode.
Und wenn du dann ein Slow Business hast, dann merkst du das vor allem dadurch, dass du wieder durchatmen kannst. Also ich habe das auch in vielen Mentorings erlebt, dass die Frauen dann, wenn ich sie eine Zeit lang begleitet habe und sie viele Dinge umgestellt haben, plötzlich sagen: Hey, da kommt so eine Ruhe rein. Und ich habe das Gefühl, ich muss nicht die ganze Zeit Feuer löschen und immer schauen: Okay, was ist jetzt als nächstes wichtig? Und da versuche ich dann schnell was irgendwie wieder hinzubiegen. Sondern es kommt so eine Ruhe rein, eine Planbarkeit und auch eine Stabilität.
Und diese Stabilität beruhigt natürlich auch das Nervensystem. Und das ist, glaube ich, das ganz Wichtige dran, wenn du dir ein Slow Business aufbaust. Und dafür braucht es eben schon auch ein bisschen Geduld aus meiner Sicht. Geduld ist überhaupt einer der unterschätzten Erfolgsfaktoren aus meiner Sicht, wenn es um ein stabiles Business geht.
Und wenn du diese Geduld auch hast, dann beruhigt sich dein ganzes Business und dadurch – und das ist eigentlich der Effekt, den ich auch erzielen möchte – hast du viel mehr von deinem Leben, weil plötzlich wieder viel mehr Freizeit da ist. Viel mehr Raum in deinem Kopf auch, mal zu sagen: Okay, jetzt denke ich mal zwei Wochen gar nicht an mein Business. Und das tut uns einfach allen wahnsinnig gut.
Katharina:
Ja, das glaube ich sofort. Und wenn ich dir so zuhöre, habe ich auch das Gefühl: In dem Moment, wo ich mich da so zurücknehme und da einfach so einen Schritt zurückgehe, in diese Entschleunigung auch reingehe, dann ist auch wieder mehr Zeit und Energie für das da, was halt wirklich auch wichtig ist und wo auch wirklich diese großen Stellschrauben sind. Und ich merke das in meinem Kontext immer auch so ein bisschen daran, dass ich dann tatsächlich unterm Strich auch schneller dahin komme, wo ich hinwill, weil ich mich nicht in zick Sachen verliere und für nichts irgendwie den Kopf frei habe.
Karin:
Hundertprozentig. Und ich glaube auch, dass das viele kennen, die zuhören: Wenn wir in so einem gestressten Modus sind, dann fällt eines wahnsinnig schwer, und das ist die Prioritätensetzung. Ich finde, wenn wir in so einem gestressten Modus sind, dann werden plötzlich alle Dinge ungefähr gleich wichtig und wir können nicht mehr zwischen dringend und wichtig unterscheiden und zwischen dem, wo es jetzt tatsächlich Sinn macht, Zeit zu investieren, und was ich vielleicht besser lassen sollte.
Und wenn ich in dem Zustand bin, dann schaffe ich es gar nicht, mich in Ruhe hinzusetzen und mal zu schauen, was wären denn die Stellschrauben, die wirklich was verändern würden, sondern ich hassle mich durch meinen Business-Alltag. Und das ist eben nicht gut.
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Wie ist der Slow-Business-Ansatz entstanden?
Katharina:
Wie kam es dazu, dass du den Gedanken der Slow Bewegung mit der Art der Unternehmensführung verbunden hast? Also, wie ist dieser Slow-Business-Ansatz entstanden?
Karin:
Ja, das war interessanterweise wirklich was, was so mir zugeflogen ist, würde ich sagen. Ich war in dieser Zeit sehr viel auf Instagram unterwegs und ich hatte es einfach sehr satt – das war schon vor Jahren –, das zehnte Mal zu hören: Du musst 10k machen, weil sonst ist das nur ein Hobby. Du musst schauen, dass du möglichst schnell möglichst viel Umsatz machst. Du musst all in gehen. Und ja, du musst eine Zeit lang, mehrere Wochen lang, die Nächte durcharbeiten. Und es ist dann im Grunde genommen ganz egal, wie es dir geht, wie es deiner Familie geht, wie es deinen Kindern geht. Du musst es nur wollen. Und so weiter.
Und irgendwann hatte ich es wirklich satt, das ständig zu hören, und habe mir gedacht – und das ist etwas, was bei mir ganz oft passiert –: Muss es doch auch eine Gegenbewegung dazu geben. Immer so ein bisschen die Gegenbewegung zu allem.
Und habe dann in meiner Story geteilt, ich würde gerne eine Slow-Business-Mastermind machen und es gibt zehn Plätze, glaube ich, waren's, und da geht es eben wirklich darum, diese Gegenbewegung zu gehen. Und ich suche selbstständige Frauen, die sich dafür interessieren und die eben anders arbeiten möchten. Und das war innerhalb von kürzester Zeit ausgebucht. Damals hatte ich noch nicht einmal eine Website, wo das alles draufgestanden ist. Und dann haben wir gedacht: Okay, ja, das ist es eigentlich. Ich bin jetzt diejenige, die die Gegenbewegung anbietet.
Kann ich mir ein Slow Business in Zeiten von KI noch leisten?
Katharina:
Das klingt schön. Und vor allem klingt das für mich so ein Stück weit mehr relevant denn je. Denn ich merke es jetzt gerade auch so im Kontext mit KI: Dieser Druck von außen, dass alles irgendwie noch schneller gehen muss und noch effizienter und noch gefühlt höher, schneller, weiter denn je – das nimmt jetzt gefühlt mit KI nochmal enorm zu. Und da wäre jetzt so die Rückfrage an dich – gerade so, wenn jetzt dieser Drive noch mehr in diese Beschleunigung geht, ein bisschen provokant, ich weiß –, aber: Kann ich mir dann ein Slow Business überhaupt unternehmerisch noch leisten?
Karin:
Das ist eine Frage, die ich ganz oft gestellt bekomme und vor allem die oft gar nicht so offen gestellt wird, sondern die so mitschwingt. Naja, Slow Business, das muss man sich ja leisten können, langsam zu wachsen und so weiter.
Und ich sehe es natürlich anders und ich frage die Gegenfrage: Kannst du es dir leisten, so zu hustlen, dass du irgendwann mal ausbrennst? Und dann eigentlich dein Business gar nicht mehr führen kannst.
Das heißt, gerade in einer Zeit wie der, in der wir gerade leben, wo KI eben das Ganze so antreibt und es kommt dir wirklich gefühlt jeden Tag ein neues Tool, vor allem für uns Solo-Selbstständige, das wir ausprobieren könnten und so weiter – ist es aus meiner Sicht noch viel, viel wichtiger zu wissen: Was ist mein eigenes Tempo? Um eben nicht auszubrennen. Und dann geht gar nichts mehr, weil das wissen wir. Ich hatte ja selbst ein Burnout. Das kann man sich wahrscheinlich, wenn man das selbst nicht erlebt hat, nicht vorstellen, aber da geht dann wirklich nichts mehr. Also, es ist wirklich so, da hast du keine Kraft mehr für nichts mehr.
Und aus der Sicht ist es für mich essentiell, vor allem für alle Frauen, die alleine arbeiten, dass sie gut auf sich achten. Klar, gerade als Einzelunternehmerin ist das natürlich auch an das eigene Wohlbefinden, die eigene Gesundheit geknüpft. Und wenn da nichts mehr geht, ist das dann natürlich alles hinfällig.
Katharina:
Und das einfach auch wieder mehr in den Blick zu nehmen, finde ich super wichtig. Gerade jetzt auch bei KI – da würde ich gern tatsächlich noch mal ein bisschen tiefer nachfragen, weil so wie ich Slow Business bei dir kennengelernt habe, ist das vielleicht auch ein Vorteil? Kann das vielleicht auch ein Vorteil gegenüber KI sein? Also, dass ich sage: Okay, das ist jetzt nicht einfach nur ein bisschen Selbstfürsorge und Selbstschutz und ich schaue, dass es mir gut geht, sondern auch einfach ein unternehmerischer Vorteil?
Karin:
Also, aus meiner Sicht – und das finde ich ganz, ganz wichtig, das zu betonen, und das werden vielleicht einige nicht so gerne hören – sind die Vorteile und das, was KI für uns machen kann, für Solo-Selbstständige völlig überschätzt.
Und da einen ruhigen Blick drauf zu haben – und ich merke das bei meinen Frauen, mit denen ich arbeite und die auch bei mir im Slow-Growth-Club sind und so weiter –, die lassen sich gar nicht so in dieses Oh mein Gott, und was ist, wenn ich da was versäume, und was ist, wenn ich da zu spät dran bin, und was ist, wenn ich was übersehe. Die lassen sich da gar nicht so reinziehen, weil sie in einer Umgebung arbeiten und sich auch mit Frauen vernetzen, die das genauso sehen und die da einen pragmatischen Blick drauf haben. Und das ist das, was so wahnsinnig wichtig ist.
Ist KI wirklich ein Muss?
Katharina:
Es klingt wahrscheinlich schon ein bisschen in deiner letzten Antwort an, aber viele haben ja gerade das Gefühl: Okay, ich kann nicht mehr ohne KI arbeiten, um wettbewerbsfähig zu bleiben, und es ist irgendwie so ein Muss, und da führt gerade keine Option dran vorbei an KI. Wie siehst du das?
Karin:
Was aus meiner Sicht wirklich ein Muss ist, ist, dass wir uns informieren und dass wir dranbleiben und dass wir neugierig und interessiert bleiben. Also zu sagen als Solopreneurin in Zeiten wie diesen: KI, das betrifft mich alles überhaupt nicht, da verschließe ich die Augen davor – das wird aus meiner Sicht nicht funktionieren.
Was aber aus meiner Sicht schon gut geht, ist zu sagen: Okay, ich lasse den einen oder anderen Trend an mir vorbeiziehen und frage mich wirklich ganz essentiell – und das ist ja das, was die wenigsten machen –: Welchen Vorteil bringt's mir wirklich, wenn ich KI einsetze? Mal auszuprobieren: Bin ich wirklich schneller, bin ich wirklich effizienter? Und das natürlich immer unter der Prämisse, ohne dass die Qualität drunter leidet. Weil ich weiß, dass viele Frauen einen sehr hohen Qualitätsanspruch haben. Und in der Zusammenarbeit mit KI, wenn man da wirklich reflektiert draufschaut, muss man schon einiges an Qualitätseinbußen oft in Kauf nehmen, um eben dann effizienter zu sein.
Katharina:
Ja, definitiv, das merke ich auch. Und gerade auch, was du angesprochen hast: Das dauert oft tatsächlich länger, wenn ich versuche, mit KI dann das Ergebnis zu erreichen, was ich ohne KI erreiche. Und dieser versprochene einfache Qualitätsgewinn – der ist dann dahin.
Und gleichzeitig merke ich auch immer mehr so ein – ja, weil du vorhin gesagt hast, Gegenbewegung – so einen Wunsch danach, wieder mehr menschengemachten Content zu lesen und menschengemachte Inhalte zu bekommen. Und von meinem Gefühl her ist einfach auch dieses, das ist hier von Mensch zu Mensch, was durch KI spannenderweise wieder auch an Wert gewinnt.
Karin:
Auf jeden Fall. Und ich finde auch, gerade im Online-Kurs-Business sind diese reinen Wissensvermittlungskurse, die eben genau dieses Menschliche vermissen lassen, wo die eigene Perspektive nicht eingebracht wird, wo es nicht darum geht: Okay, was kann ich dir von Mensch zu Mensch im Online-Kurs weitergeben? – die sind aus meiner Sicht ein Auslaufmodell und die werden sicherlich auch in Zukunft nicht so gerne gebucht werden.
Weil diese Mensch-zu-Mensch-Komponente – und da hoffe ich wirklich sehr, dass sich meine Perspektive auf das Ganze so verwirklichen wird –, dass das wieder zunehmen wird.
Katharina:
Das merke ich tatsächlich bei den Kursen, die ich betreue, genau das, dass das einfach auch die Kaufgründe sind, warum Leute dann noch in einen Online-Kurs investieren. Weil wenn es nur um die Infos geht, da können sie einfach KI fragen. Aber diese persönliche Begleitung, diese Unterstützung, diese Perspektive von der Person, die ich einfach auch wertschätze für ihre Art zu denken – das sind dann so diese Motive für Leute zu sagen: Okay, da bleibt ein Kurs dann auch wirklich relevant und da investiere ich auch gerne nochmal in einen Online-Kurs.
Karin:
Ja, und ich glaube, das ist ja auch das, was dann deine Arbeit so wertvoll macht, weil ein Online-Kurs halt nicht funktioniert, wenn wir jetzt einfach uns hinsetzen und hunderttausende Geschichten und Erfahrungen erzählen. Sondern das Ziel ist ja dann genau, diese Erfahrung, diese Expertise, diese Geschichten auch so zu verpacken, dass ich mir dann auch was mitnehmen kann. Einfach das so zusammenzunehmen – also nicht einfach nur Geschichte oder nur Input, sondern das einfach zu einem großen Kurs. Weil sonst sind's kleine Erzählungen und dann ist es zwar eine nette Storystunde, aber kein Online-Kurs.
Profitieren auch die Kund*innen vom Slow-Business-Ansatz?
Katharina:
Weil wir gerade schon von Onlinekursen sprechen: Bei meinem Slow eLearning-Ansatz merke ich immer wieder, davon profitieren nicht nur die Kursanbieter*innen, sondern auch enorm die Kund*innen von ihnen. Ist das beim Slow Business genauso? Also, dass das sowohl für meine Kund*innen als auch für deren Kund*innen dann wieder einen Mehrwert bietet?
Karin:
Was auf jeden Fall ein Riesenunterschied beim Slow Business zum Beispiel zum Schneller-Höher-Weiter-Ansatz ist: Dass wir als Frauen, die ein Slow Business führen, immer das Ziel haben, langfristige Kund*innenbeziehungen aufzubauen. Das heißt, wirklich Beziehungen aufzubauen mit Kund*innen, die dann immer wieder kommen, die vielleicht auch mehrere Jahre nichts von uns brauchen, aber dann ergibt sich wieder was.
Gerade in beratenden Branchen ist es ja so, dass es schön ist: Da begleiten wir eine Zeit lang und dann wieder eine Zeit lang nicht. Und wenn die Personen dann zufrieden waren und das Gefühl hatten, dass da eine gute Beziehung war, dann kommen sie vielleicht sogar nach Jahren wieder.
Bei einem skalierbaren Schneller-Höher-Weiter-Modell geht es nicht darum. Da geht es darum, schnell zu sagen: Okay, ich cashe ab, ich versuche schnell, was zu verkaufen, was skalierbar ist. Die Person ist dann vielleicht auch noch in ihrem Online-Kurs komplett alleingelassen. Wenn sie es nicht auf die Reihe bringt, ist das nicht mein Problem. Und dann – das ist so für mich dieses Heuschrecken-Business – flieg ich weiter und grast sozusagen die nächste Wiese ab.
Und deshalb ja, ist es natürlich auch ein Riesenvorteil für die Kund*innen, weil du als Slow-Business-Frau sehr achtsam mit ihnen umgehst. Klar, weil wenn wir wollen, dass eine längerfristige Beziehung entsteht, dann ist die Achtsamkeit und der Beziehungsaufbau sehr, sehr wichtig. Und weil das Investment in den Beziehungsaufbau und auch die Empathie für die Kund*innen einen viel höheren Stellenwert hat.
Katharina:
Das ist auch das, was ich immer gerne bei Onlinekursen so kritisiere. Dieses, das ist einfach zu kurz gedacht, zu sagen: Okay, ich hab ihn verkauft und jetzt ist nicht mehr mein Problem. Weil im Moment, wo die Kund*innen zufrieden sind, die kommen ja wieder und die sagen dann auch: Okay, kannst du mir vielleicht da noch bei helfen? Oder auch, dass dann Empfehlungen entstehen. Also weil jemand, der zufrieden ist, der empfiehlt auch Angebote gerne weiter. Und das finde ich dann so einen schönen Gedanken, das einfach so langfristiger zu denken. Klar, das ist natürlich dann auch eine super Grundlage fürs Marketing, weil du da eine Reputation mit aufbaust, die dann auch so weiter trägt, als das vielleicht auf den ersten Moment zu sehen ist.
Minimal Marketing ohne Social Media – wie steckt da Slow Business drin?
Katharina:
Du hast ja jetzt vor kurzem einen Kurs rausgebracht zum Thema Minimal Marketing ohne Social Media. Inwiefern steckt da der Slow-Business-Gedanke auch mit drin? Also, wenn ich mein Marketing komplett Social-Media-frei gestalte?
Karin:
Ja, also ich muss dazu sagen: Ich habe ja jahrelang Social Media sehr exzessiv betrieben. Also, ich kenne das Game sozusagen. Und habe mich aber dann entschieden, da nicht mehr mitspielen zu wollen. Ich habe drei Profile gehabt mit circa 13.000 Followern und mehr. Also habe da wirklich viel investiert, über 3.000 Postings gemacht.
Und das ist halt nicht nachhaltig. Also, die Postings haben eine Halbwertszeit von 24 Stunden. Und ein Blogpost zum Beispiel, der kann dir über Jahre Kund*innen bringen oder über Jahre Vertrauen aufbauen. Und deshalb kann Slow Business aus meiner Sicht nicht zum überwiegenden Teil auf Social-Media-Marketing setzen, weil es einerseits ja eben diese kurze Halbwertszeit hat und andererseits aber auch nie in die Tiefe geht. Was willst du bei einem sieben-Sekunden-Reel an Infos weitergeben? Das geht gar nicht.
Katharina:
Und du steckst wahrscheinlich auch in diesem: Ich muss immer produzieren und nachkommen. Und das ist natürlich auch ein Gegenteil wahrscheinlich von diesem minimalistischen Gedanken. Weil das ist ja eher so, dass Social Media gefühlt dieses immer mehr und immer höher, schneller, weiter, dieses Hustlen ja eigentlich noch befeuert.
Karin:
Genau. Du hast grad was gepostet, das ist 24 Stunden gültig und du musst dann gleich schauen, was ist das nächste. Es passt natürlich überhaupt nicht dazu.
Ein erster Schritt Richtung Slow Business
Katharina:
Wenn jetzt jemand gerade merkt: Ich stecke eigentlich genau in diesem Hamsterrad drin, ich bin in diesem Hustle-Modus und will da raus – was wäre denn so ein erster konkreter Schritt in Richtung Slow Business, den jetzt unsere Hörer*innen gehen könnten?
Karin:
Ja, der erste Schritt ist für mich – und das ist ganz interessant, weil das ganz viele Business-Mentorinnen und Coaches komplett ignorieren –: Dir anzuschauen, wie schaut es tatsächlich um deine Zeit aus.
Der Faktor Zeit wird total unterschätzt aus meiner Sicht. Und ich gebe da gern diese Zettelübung. Das ist immer eins der ersten Sachen, die ich meinen Frauen mitgebe im Mentoring: Nämlich wirklich mal anzuschauen – sieben Werktage aufzuschreiben –, was tu ich den ganzen Tag vom Aufstehen bis zum Schlafengehen? Und das ist dann meistens total erschreckend für die Frauen, weil sie dann sehen: Okay, ich mache die Wäsche, ich mache dieses, ich mache jenes, und da quetsche ich dann irgendwie mein Business rein. Und dann aus dem die Essenz rauszunehmen und zu sagen: Okay, wie viele fokussierte Arbeitsstunden habe ich tatsächlich zur Verfügung?
Und was da mit reinspielt – was ganz oft eben nicht mitbedacht wird, deshalb funktioniert Slow Business auch für diese besondere Zielgruppe so gut –: Wenn du jetzt zum Beispiel eine chronische Erkrankung hast, oder du bist im Autismus-Spektrum, oder du hast zu pflegende Angehörige, du hast ganz viel Kehrarbeit für deine Kinder, dann hast du einfach zeitlich andere Voraussetzungen als Menschen, die das nicht haben.
Und da wirklich mal der Wahrheit ins Auge zu blicken und zu sagen: Okay, was habe ich wirklich konkret an Zeit zur Verfügung? Und dann mit dem zu arbeiten, bringt schon ganz viel Ruhe rein. Weil der größte Frust aus meiner Sicht entsteht bei selbstständigen Frauen, wenn sie sich die To-do-Liste vollballern und eigentlich gar keine Zeit für diese ganzen Sachen haben. Und das ist schon einmal der erste Schritt in Richtung Slow Business, weil er beruhigt sich ganz viel. Ist manchmal ein bisschen unangenehm, tut auch vielleicht weh, bestimmte Dinge und Voraussetzungen dann zu akzeptieren, hilft aber sehr.
So kannst du mit Karin zusammenarbeiten
Katharina:
Du hast gerade schon dein Mentoring angesprochen und wir hatten auch schon über den Kurs gesprochen, den du hast. Falls jetzt jemand von unseren Hörer*innen sagt: Boah, das klingt gut, und ich merke, da möchte ich ein bisschen tiefer gehen, da suche ich Unterstützung, und ich würde gerne wirklich so Richtung Slow Business – wie kann ich mit dir zusammenarbeiten?
Karin:
Ja, also die erste Anlaufstelle ist meistens der Slow Business Podcast. Da hören ganz viele mal rein. Was ich sehr empfehlen kann, ist der Slow-Growth-Club. Das ist eine sehr kostengünstige Möglichkeit, mal in dieses Thema Slow Business einzutauchen. Und da findet eben auch dieser Austausch mit anderen Frauen statt. Wir sehen uns dort auch immer wieder live.
Und Frauen, die im Slow-Growth-Club sind, haben dann Zugang zu Mentoring-Begleitungen und eben meinen zwei Online-Kursen: Marketing ohne Social Media und Positionierung: Mensch. Das ist ein Kurs, wo es darum geht, rauszufinden, warum die Menschen trotzdem mit dir arbeiten sollen, obwohl KI zunehmend zu unserer Konkurrenz wird.
Katharina:
Super. Also den Slow-Growth-Club kann ich auch sehr empfehlen. Ich bin da ja jetzt, glaube ich, seit drei Monaten auch mit dabei. Und ich fand das so angenehm, einen Ort zu finden, wo es einfach ruhig ist, wo ich nicht das Gefühl habe, ich krieg noch mehr Stress so auf mein inneres Tablett draufgepackt, sondern einfach einen Ort, wo ich auch für mich mit meinem Unternehmen einfach da sein und zur Ruhe kommen darf. Und würde mich sehr freuen, wenn wir uns vielleicht dann einfach im Slow-Growth-Club auch sehen.
Abschluss
Katharina:
Karin, vielen, vielen herzlichen Dank. In meinem Podcast haben meine Gäste immer das Schlusswort. Was wäre so alles in allem die eine Sache, die du unseren Hörer*innen unbedingt mit auf den Weg geben möchtest?
Karin:
Ja, die eine Sache, die ich gern mitgeben möchte, ist tatsächlich: Lass dir nicht von Social Media oder von irgendwelchen Coaches einreden, dass es die eine Möglichkeit gibt, dein Business erfolgreich zu machen, sondern bleib bei dir. Du bist ganz individuell. Jede von uns hat ihre eigenen Voraussetzungen, jede von uns hat ihre eigenen Kompetenzen und ihre eigenen Gaben, und es geht wirklich darum, deinen ganz, ganz individuellen Weg zu finden.
Hier findest du Karin:
Slow Business Podcast: https://www.karingrafkaplaner.com/podcast/
Karins Website: https://www.karingrafkaplaner.com/
Slow-Growth-Club: https://www.karingrafkaplaner.com/slowgrowthclub/
